Seehofer reist zu Erinnerungsorten in Tschechien

Nachrichten Tschechien, 17. November  2011, 15.37 Uhr | Kommentar schreiben
Seehofer reist zu Erinnerungsorten in Tschechien

Seehofer reist zu Erinnerungsorten in Tschechien

Bayern und Tschechien schreiten auf dem Weg zur mehr Normalität voran: Elf Monate nach dem historischen ersten Prag-Besuch eines bayerischen Ministerpräsidenten reist Horst Seehofer (CSU) Mitte nächster Woche ein zweites Mal nach Tschechien.

Dabei wird er erneut mit Regierungschef Petr Necas zusammentreffen, wie Staatskanzlei und tschechische Regierung am Donnerstag ankündigten.

Zwar wird das offizielle Programm erst am Montag veröffentlicht, es zeichnet sich aber ab, dass Seehofer dieses Mal neben Prag auch drei Erinnerungsorte im Land besuchen wird, die sinnbildlich für Verbrechen von Deutschen und Tschechen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stehen: das ehemalige KZ Theresienstadt, die Gedenkstätte für die Opfer des brutalen SS-Massakers von Lidice, dem 340 Menschen zum Opfer fielen, sowie die Brücke von Aussig (Usti nad Labem), wo Tschechen nach Kriegsende ein Blutbad an sudetendeutschen Zivilisten anrichteten.

Der oberste Repräsentant der Sudetendeutschen, Bernd Posselt, kündigte an, an allen drei Stätten würden Kränze sowohl der Staatsregierung als auch der Volksgruppe niedergelegt. Er zeigte sich “dankbar” dafür, dass Seehofer diese Orte besuche. Die Reise münde schließlich in einem Besuch des künftigen “Museums für die Geschichte und Kultur der deutschen Länder in Böhmen”, das in Aussig aufgebaut werde. Von großer Bedeutung ist für Posselt, dass der Ministerpräsident zusammen mit einer sehr großen Delegation der Sudetendeutschen nach Tschechien reisen werde. Das sei ein “deutliches Signal” an die tschechische Öffentlichkeit, wie ernst der Freistaat Bayern die Schirmherrschaft über die Sudetendeutschen nehme. Die Volksgruppe sei bei jedem Schritt mit im Gespräch und immer auch “physisch anwesend”.

Der erste Tschechien-Besuch des bayerischen Ministerpräsidenten am 20. Dezember 2010 hatte sich auf die Hauptstadt Prag beschränkt. Dabei hatten Seehofer und Necas ihren Willen betont, ein “neues Kapitel” in den Beziehungen beider Länder aufzuschlagen. Das bayerisch-tschechische Verhältnis ist durch den Streit über die Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg belastet. Insbesondere Tschechiens Staatspräsident Václav Klaus steht bis heute für eine unversöhnliche Politik gegenüber den Sudetendeutschen. Erst im Juni hatte er ihnen Gefühllosigkeit und Unbelehrbarkeit vorgeworfen.

Nach Einschätzung Posselts ist die Haltung des Staatspräsidenten aber längst nicht mehr repräsentativ für die tschechische Öffentlichkeit. In den vergangenen zwölf Monate sei eine “vorsichtige Lockerung” des tschechisch-sudetendeutschen und tschechisch-bayerischen Verhältnisses zu beobachten gewesen. “Es sind keine Wunder passiert, die waren aber auch nicht zu erwarten”, sagte Posselt und kündigte an: “Wir werden diese Besuche so lange fortsetzen, bis sie zur Normalität werden.” Die Politik der kleinen Schritte werde fortgesetzt. dapd

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