Das Klagelied eines Unterdrückten
Tagebuch, 25. Januar 2012, 12.46 Uhr | Kommentar schreibenEs wird endlich Zeit für ein Outing: Ich bin 32 Jahre alt… und liebe Videospiele. Ja, als Zocker hat man es nicht leicht. Immer wirst du belächelt und deine Mitmenschen stecken dich in die gleiche Schublade wie ihre pubertären Cousins und Cousinen.
Aber Gaming ist gar kein unübliches, männliches, geschweige denn infantiles Hobby! Dafür gibt es eine Menge Beweise:
Statistiken lügen nicht. Laut einer aktuellen Studie des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware e.V. (BIU) spielen rund 23 Millionen Deutsche regelmäßig Computer- und Videospielen. Davon sind rund 44 (!) Prozent der Gamer weiblich. Bei Browser-Spielen und Spielen in sozialen Netzwerken stellen die Frauen mit 51 Prozent sogar die Mehrheit der Nutzer. Gespielt wird in jedem Alter sowie über alle sozialen Schichten und Bildungsniveaus hinweg, im Durchschnitt ist der deutsche Gamer 31 Jahre alt.
Das Software-Unternehmen Electronic Arts macht einen jährlichen Umsatz von 3,654 Milliarden US Dollar. Nach solchen Zahlen lecken sich viele Filmstudios die Finger. Irgendwo muss die Kohle ja herkommen.
UND: Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, geht sogar noch einen Schritt weiter und sagte in einem Interview mit der Fachzeitschrift “GEE”: “Computerspiele-Entwickler sind Künstler.” Endlich macht man sich auch über den potentiellen kulturellen Wert von Computerspielen Gedanken.
Also: Computerspiele sind endlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Aber warum hab ich dann doch ein seltsames Schamgefühl an der Elektromarkt-Kasse, wenn ich mit dem neuesten Spiele-Blockbuster vor der Kassiererin stehe?! Vielleicht werden ja noch ein paar Jahre ins Land gehen. Aber dann kann ich endlich auch am Stammtisch ganz frei über die Entwicklung des Ego-Shooters und die Veränderung der Oberweite von Tomb-Raider-Lady Lara Croft diskutieren. Ich glaube ganz fest daran!
In diesem Sinne: Lok’tar ogar
Daniel Kroha
Online Redakteur




