“Der Dicke” ist tot

Nachrichten Deutschland, 6. März  2013, 11.34 Uhr | Kommentare deaktiviert

Seine Lieblingsrolle als sanfter Menschenversteher hat Dieter Pfaff den großen Erfolg beim Publikum verschafft. Seine Alter Egos, Kommissar Sperling, Psychotherapeut Bloch und Rechtsanwalt Ehrenberg in “Der Dicke”, schrieb er sich gemeinsam mit Autoren auf den umfänglichen Leib. Schon diese selbstbestimmte Karriere unterscheidet ihn von anderen Vertretern seiner Zunft.

Am Dienstag starb Pfaff im Kreise seiner Familie in Hamburg infolge eines schweren Krebsleidens. Vor einem halben Jahr war die Krankheit bei ihm diagnostiziert worden. Der 65-Jährige sagte daraufhin alle Dreharbeiten ab, zog sich aus der Öffentlichkeit zurück und ließ sich behandeln. Noch vor einem Monat erklärte er, den Krebs besiegt zu haben und schon bald wieder vor der Kamera stehen zu wollen.

Seinen Anfang nahm seine Fernsehkarriere, als er 40 Jahre alt war. Der Sohn eines Dortmunder Polizeibeamten und einer Angestellten wollte zwar “immer spielen”, wie er sagte, und absolvierte ein Schauspielstudium. Zunächst war er aber viele Jahre im Theater vor allem als Dramaturg und Regisseur engagiert.

Als er Mitte 30 war, stellte er die entscheidenden Weichen seiner Laufbahn: 1983 übernahm er die Rolle als Polizeibeamter Otto Schatzschneider in der ARD-Vorabendserie “Der Fahnder”. Zugleich trat er eine Professur für Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Graz (Österreich) an. “Ich hatte Angst, an der Hochschule zu versauern”, sagte Pfaff im April 2012 in der “NDR Talk Show” auf die Frage, warum er diese sichere Stelle aufgegeben hatte.

Beim “Fahnder” hatte Pfaff bereits eine Rolle mit Kultcharakter als unfreiwillig komischer Polizist, der sich bei den Kollegen mit Schnäppchenangeboten beliebt machen will. “Ich hatte einen Marktwert als komischer Dicker”, sagte er.

Seine Beliebtheit sieht er als “Geschenk”Auch in zwei RTL-Serien kokettierte er mit diesem Image. Erst spielte er 1994/1995 den Vorgesetzten von “Balko” in der gleichnamigen Krimiserie und wurde mit einem Grimme-Preis belohnt. Danach war er in “Bruder Esel” als unangepasster Franziskanermönch zu sehen, der aus Liebe zu einer Frau seinen Orden verlässt. Dafür gab es noch einen Grimme-Preis.

Parallel dazu entwickelte er mit dem Autor Rolf Basedow die Rolle des ZDF-Kommissars Sperling, der ohne Waffe und mit großer Gelassenheit und sanftem Umgangston Fälle löst. “Ich brauche keine Toten”, hatte er dem ZDF bei der Konzeption der Reihe gesagt.

Der Schauspieler wollte noch tiefer ins Innere der Menschen vordringen. “Ich wollte mal Therapeut werden. Daraus ist dann der Bloch geworden”, erklärte er. Die ARD-Reihe mit dem unkonventionellen Psychotherapeuten Dr. Maximilian Bloch lief von 2001 bis 2007 nach einer Idee von Pfaff in Zusammenarbeit mit den Autoren Peter Märthesheimer und Pea Fröhlich.

In der ARD-Serie “Der Dicke” (seit 2005) verkörperte Pfaff den Anwalt Gregor Ehrenberg, der sich in Hamburg-Altona schlitzohrig für seine Klienten einsetzt. Seine Beliebtheit beim Publikum erklärt er sich so: “Irgendwie gelingt es mir, die Menschen zu berühren, das ist ein Geschenk, dafür kann ich nichts.” Er sagte weiter in der “NDR Talk Show”: “Ich glaube, dass ich in meinem Leben ein paar Mal was geschenkt bekommen hab’.

“Pfaff war seit 30 Jahren einer der meistbeschäftigten deutschen Schauspieler. Für ihn sei der Beruf eine Art Psychotherapie, “weil ich mich beim Spielen selbst erkenne, wie in einem Spiegel”, sagte Pfaff. “Das kann auch erschreckend sein, dieser Beruf ist nichts für Schwächlinge.”

Dass er nicht nur positive Erfahrungen gemacht hat, kann man einem weiteren Zitat entnehmen: “Nur diese Verletzungen und auch Ängste tragen dazu bei, wenn man sich ihnen stellt und damit umgeht, dass man ein durchaus starker Mensch wird. Und ich bin ein ziemlich starker Mensch.” Den Kampf gegen den Krebs konnte Pfaff trotz dieser Stärke letztlich nicht gewinnen. Er schlief seiner Managerin zufolge am Dienstagmorgen friedlich ein.dapd