Milchbauer in Deutschland: Preiskrise noch nicht ausgestanden

Nachrichten Deutschland, 18. März  2017, 11.42 Uhr | Kommentare deaktiviert
Ein Milchbauer demonstriert mit einem Plakat.

Foto: Stefan Sauer/Archiv / dpa

Ein Milchbauer demonstriert mit einem Plakat.

Mehr als 5600 Milchbauern haben in Deutschland seit  Wegfall der Milchquote im Frühjahr 2015 aufgegeben. Das geht aus  einer Antwort der Bundesregierung auf Frage der  Grünen-Bundestagsfraktion hervor, berichtet die “Neue Osnabrücker  Zeitung”.

Besonders kleine Betriebe haben demnach die  Produktion eingestellt: Während 6145 Bauernhöfe mit weniger als 100  Kühen seit dem Ende der Quote ausgestiegen sind, nahm die Zahl der  Betriebe mit mehr als 100 Tieren sogar um fast 560 zu.

Der stärkste Rückgang war laut Ministerium in Süddeutschland zu  verzeichnen: Im besagten Zeitraum gaben in Bayern 2353 Betriebe die  Milchviehhaltung auf, in Baden-Württemberg fast 1000. Auf Platz drei  folgt Niedersachsen mit 707 Bauernhöfen, vor Nordrhein-Westfalen mit  704 und Schleswig-Holstein mit 233. Das  Bundeslandwirtschaftsministerium beruft sich bei seiner Antwort auf  die Zahlen der halbjährlichen sogenannten Viehbestandserhebung vom 3. Mai 2015 zum 3. November 2016. Der Wegfall der Quote fiel zusammen  mit einer Preiskrise auf dem Milchmarkt. Die Lage habe sich aber  mittlerweile wieder konsolidiert, der Erzeugerpreis für Milch sei  über die 30-Cent-Marke geklettert, so das Ministerium.

Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes,  warnte im Gespräch mit der “NOZ”, dass die Krise in einigen Regionen  noch nicht ausgestanden sei. Im Süden Deutschlands werde tendenziell  mehr gezahlt als im Norden. “Gerade nach den zwei Krisenjahren reicht ein Milchpreis von knapp über 30 Cent für viele Betriebe noch nicht  aus”, so Krüsken. Grünen-Agrarpolitiker Friedrich Ostendorff  kritisierte, dass die Bundesregierung seit Wegfall der Quote und  Ausbruch der Krise zu wenig unternommen habe, um Milchbauern zu  stärken und den Markt krisenfest aufzustellen. “Die Bundesregierung  verschließt die Augen und redet sich die Lage schön”, so Ostendorff. (dpa)