23-jähriger Oberpfälzer wegen Terrorverdachts vor Gericht

Das rechtsradikale Terrornetzwerk «Feuerkrieg Division» ist in Deutschland bisher noch nicht entscheidend in Erscheinung getreten. Erstmals steht nun ein mutmaßliches Mitglied der international vernetzten Gruppe in der Bundesrepublik vor Gericht.

Unter seinesgleichen nannte er sich «Heydrich» oder «Reinhard» – nach dem brutalen Organisator des Holocaust unter Adolf Hitler, Reinhard Heydrich. In Wahrheit heißt der 23-Jährige Fabian, wohnte bisher bei seinen Eltern in einem Dörfchen in der Oberpfalz, nahe der Stadt Cham. Er arbeitete Schicht als Elektriker – soweit war alles noch okay. Inzwischen sitzt der junge Mann in Untersuchungshaft – zumindest bis ihm am kommenden Donnerstag vor der Staatsschutz-Kammer am Landgericht Nürnberg-Fürth der Prozess gemacht wird. Die Generalstaatsanwaltschaft München, wo die bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus angesiedelt ist, wirft dem mutmaßlich Rechtsradikalen die Vorbereitung eines Terroraktes vor.

Der Oberpfälzer sympathisiert mit der international vernetzten Gruppe «Feuerkrieg Division», die sich Anschläge gegen Juden und Muslime zum Ziel setzt, und bewegt sich in deren Chatforen, wie das Landgericht Nürnberg-Fürth mitteilte. Nach Medienberichten gilt er sogar als Kopf der etwa eine Handvoll deutschen Mitglieder.

«Heydrich» soll sich in den Chatforen auch über mögliche Anschlagsziele erkundigt haben. So habe er etwa nach einem «Ort der Andacht» gesucht, heißt es in der Mitteilung des Gerichts. Dahinter könnte sich nach Auffassung von Polizei und Staatsanwaltschaft eine Moschee oder eine Synagoge verbergen.

Zudem soll sich der 23-Jährige im Archiv der Gruppe über die rechtsextremistisch motivierten Anschläge in Christchurch (Neuseeland) und Halle (Sachsen-Anhalt) informiert haben. Zudem habe er Waffenteile im Internet besorgt – unter anderem eine Replika eines «Kalaschnikow»-Sturmgewehrs, die er mit echten und funktionstüchtigen Teilen versehen haben soll.

Die «Feuerkrieg Division», die sich früher auch als «Atomwaffen Division» bezeichnete, ist ein loser Zusammenschluss einzelner Terrorzellen. Weltweit wird die Zahl der Mitglieder auf 70 bis 150 geschätzt; Schwerpunkte sind die USA und Großbritannien. Zeitweise soll das Netzwerk von einem 13-Jährigen aus Estland geführt worden sein – bis die Polizei den Jungen aus dem Verkehr zog. Die Bewegung gilt als stark rassistisch, pocht etwa auf eine Vorherrschaft der Weißen («White Supremacy»), hasst Juden, Schwule und Frauen. Rechte Terrorattentäter werden in der Gruppe als «Heilige» bezeichnet.

Der junge Fabian aus dem Landkreis Cham wollte – der Anklage der Generalstaatsanwaltschaft zufolge – ein solcher «Heiliger» werden. Dazu trainierte er im Garten der Eltern und machte Schussübungen. Die im Netz bestellten Waffenteile ließ sich der Mann, der als kontaktscheu und labil bezeichnet wird – konspirativ an die Adresse seiner Oma liefern.

Eine Aufgabe der Nürnberger Richter wird es sein, zu klären, wie ernst der junge Oberpfälzer und seine im Netz geteilten rechten Phantasien zu beurteilen sind. Ob er jemals eine wirklich funktionstüchtige Waffe hatte, soll ein Waffenexperte als Sachverständiger während des Prozesses klären. (dpa)