Spannende Tagesthemen im Frühschoppen

Tagebuch, 10. Juni  2018, 11.00 Uhr | Kommentare deaktiviert
Von 2014 bis 2016 war Zamperoni ARD-Korrespondent in Washington. Nun hat der "Tagesthemen"-Moderator ein Buch über die bisherige Amtszeit von Donald Trump geschrieben und es im Ramasuri-Frühschoppen bei Jürgen Meyer vorgestellt.

Bild: Franz Hüttner | Ramasuri

Von 2014 bis 2016 war Zamperoni ARD-Korrespondent in Washington. Nun hat der "Tagesthemen"-Moderator ein Buch über die bisherige Amtszeit von Donald Trump geschrieben und es im Ramasuri-Frühschoppen bei Jürgen Meyer vorgestellt.

Liebes Tagebuch,

für seinen heutigen Gast hat Frühschoppen-Moderator Jürgen Meyer sein bewährtes bayerisches Weißwurstfrühstück mal wieder etwas abgewandelt. Der Grund dafür ist ebenso logisch wie verständlich: Die italienischen Wurzeln seines heutigen Gesprächspartners verlangten ja geradezu nach einem mediterranen Touch! Und so ließ Jürgen – zusätzlich zu Weißwurst mit süßem Senf und Brezen – allerlei italienische Delikatessen auftragen: Von erlesenen Kaffeebohnen über Antipasti und Pizzabrot bis hin zu obligatorischer Pasta – da wäre ganz bestimmt jedem das Wasser im Mund zusammengelaufen! Und so auch seinem heutigen Gast, den man genau genommen als Jürgens ehemaligen Kollegen, wenn nicht sogar als kleines Vorbild bezeichnen könnte: “Tagesthemen”-Moderator Ingo Zamperoni beehrte heute unseren Ramasuri-Wintergarten!

Der 44-jährige Hesse hat es bereits weit gebracht in seinem Leben. Nach seinem Abitur studierte er zunächst Amerikanistik, Jura und Geschichte in Konstanz, Berlin und Boston. Anschließend absolvierte er sein Volontariat beim Norddeutschen Rundfunk, also – wie unser Jürgen – beim Radio, wechselte jedoch bald darauf zum NDR Fernsehen. Dort war er anfangs nur hinter den Kulissen als Reporter und Autor tätig: Er lieferte für die Tagesschau und die Tagesthemen die Beiträge für andere, die vor der Kamera standen. Doch genau da wollte man Ingo selbst schon bald sehen. Und so moderierte er von 2007 bis 2013 alle zwei Wochen die ARD-Sendung “Nachtmagazin”. 2012 dann der Ritterschlag: Ingo durfte die Moderation der Tagesthemen übernehmen – anfangs nur vertretungsweise, doch bald schon als feste Besetzung.

Zwei Jahre später zog es ihn jedoch wieder in die USA und er ging als Auslandskorrespondent ins ARD-Auslandsstudio nach Washington. Doch auch dort hielt es ihn dann wiederum nur zwei Jahre. 2016 kehrte er nach Deutschland zurück, diesmal nach Hamburg. Noch im Herbst desselben Jahres wurde er zum Ersten Moderator (in den USA bezeichnet man diese Person als Anchorman) der Tagesthemen – eine unglaubliche Leistung, denn seine Vorgänger waren fast ausnahmslos um einiges älter und um viele Jahre Berufserfahrung reicher, als ihnen dieser Höhepunkt ihrer Karriere zuteil wurde! Im zweiwöchigen Wechsel mit Caren Miosga moderiert Ingo die ARD-Sendung seither – und hat ihr durchaus seinen eigenen Stempel aufgedrückt. So moderierte er einen Beitrag zum Thema doppelte Staatsbürgerschaft an, indem er seinen italienischen Personalausweis und seinen deutschen Reisepass in die Kamera hielt (Ingos Vater ist Italiener, seine Mutter Deutsche). Als er sich in der Halbzeit des Fußball-WM-Halbfinalspiels Italien-Deutschland 2012 von den Zuschauern mit dem Satz “Möge der Bessere gewinnen!” verabschiedete, provozierte er damit einen kleinen Skandal. Doch genau das ist der “Hallo-wach-Effekt”, den der Journalist beim Zuschauer kreieren will. Denn ihm ist bewusst: Wenn er die Aufmerksamkeit der Zuschauer erregen will, muss er mit Gewohnheiten brechen – nicht immer, aber immer mal wieder. Und das gelingt dem Halbitaliener exzellent.

Aber nicht nur beruflich läuft es bestens für Ingo. Auch privat hat er sein Glück mit Ehefrau Jennifer und ihren drei gemeinsamen Kindern perfekt gemacht. Jennifer, die er während seiner Zeit in den USA kennenlernte, hält ihm, wo sie nur kann, den Rücken frei, möchte aber ansonsten aus der Öffentlichkeit herausgehalten werden, um sich selbst und auch den Kindern ein möglichst “normales” Leben zu ermöglichen. Und das ist, dank des zweiwöchigen Moderationswechsels mit Caren Miosga, auch gut möglich. Seine drehfreie Zeit verbringt der sympathische Moderator dann gern mit Kind und Kegel. Auch dem Sport ist er treu geblieben – denn hätten Sie gewusst, dass Ingo Zamperoni in seiner Jugend sogar mal Deutscher Hockey-Vizemeister war?

Doch trotz zeitaufwendiger Moderationsjobs und beinahe schon Großfamilie hat der Journalist auch noch Zeit für sein zweites Standbein: Mit dem Buch “Anderland: Die USA unter Trump – ein Schadensbericht” macht er aktuell bereits zum zweiten Mal auch als Schriftsteller von sich reden. Bereits sein Erstlingswerk “Fremdes Land Amerika. Warum wir unser Verhältnis zu den USA neu bewerten müssen” avancierte in Windeseile zum Spiegel-Beststeller. In seinem neuen Buch verdammt er den US-Präsidenten aber keineswegs, wie der Titel vermuten lässt – vielmehr wirbt Ingo um Verständnis für Donald Trump. Denn der sei nicht die Ursache, sondern lediglich das Symptom für einen tiefen Riss, der sich momentan durch die amerikanische Gesellschaft zieht. Eine Gesellschaft, die allmählich den amerikanischen Traum als gescheitert erkennt und das System deshalb von Grund auf erneuern will. Und da kommt so ein Donald Trump doch ganz gelegen. Ingo streitet aber auch nicht ab, dass der US-Präsident unberechenbar und gewissermaßen eine Gefahr für den Weltfrieden ist… Wenn dieses Buch nicht auch auf den Bestsellerlisten landet, dann weiß ich auch nicht mehr! Neben all seinen Aufgaben gelingt es Ingo so ganz nebenbei übrigens auch noch, sich für den wohltätigen Zweck einzusetzen. Seit 2007 ist er Botschafter der Kinderhilfsorganisation „Save the Children“. Die größte unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt kämpft unter anderem für Bildung und ein besseres Leben für Kinder in Krisenregionen – ein Thema, das dem großherzigen Halbitaliener ein Herzensanliegen ist.

Wohin es ihn künftig sowohl in beruflicher Hinsicht als auch ortstechnisch verschlagen wird, da will sich der 44-Jährige nicht festlegen. Wir können dem “Revoluzzer” der Tagesthemen ganz einfach weiter folgen, denn auf seiner Facebook-Fanpage und auch auf Twitter findet man stets aktuelle Fotos und Meldungen über den Journalisten. Oder: einfach Tagesthemen einschalten!

Leider ist die Zeit wie immer viel zu schnell wieder vorbei… Wir danken Ingo für ein äußerst sympathisches und interessantes Gespräch bei einem köstlichen Frühstück! Für mich bleibt jetzt nur zu hoffen, dass Jürgen sich nicht auch plötzlich zu “Größerem” berufen fühlt und auch den Sprung ins Fernsehen schaffen will…!

Jetzt lauf’ ich erst mal schnell zur Buchhandlung – bis nächste Woche!

Deine Dagi