Verdächtiger nennt Ärger als Motiv für Datenklau

Nachrichten Deutschland, 8. Januar  2019, 13.49 Uhr | Kommentare deaktiviert
Die Bundesregierung will aus dem Fall Konsequenzen ziehen und die Cyber-Sicherheit verbessern.

Foto: Oliver Berg / dpa

Die Bundesregierung will aus dem Fall Konsequenzen ziehen und die Cyber-Sicherheit verbessern.

Er hat sich seine Computer-Kenntnisse selbst beigebracht und seinem “Ärger” über Politiker und Promis Luft gemacht. Der 20-Jährige, der für den massiven Datenskandal verantwortlich sein soll, habe wohl unbedacht gehandelt, sagen die Ermittler.

Der 20-jährige Beschuldigte im Daten-Skandal hat nach Erkenntnissen der Ermittler alleine gehandelt und gezielt Menschen angegriffen, über die er sich geärgert hat.

Der Schüler habe sich für die massive Online-Attacke Politiker und Prominente ausgesucht, deren Äußerungen ihm missfallen haben, sagte Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk von der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main.

Bei der Durchsuchung seiner Wohnung am Sonntag habe man zunächst keine Hinweise auf eine politische Motivation gefunden, diese Frage sei aber noch nicht abschließend geklärt. Die Polizei beziehe in ihre Überlegungen “sowohl allgemein kriminelle sowie auch politische Motivationslagen” mit ein, sagte der Leiter der Abteilung Cybersecurity beim Bundeskriminalamt, Heiko Löhr. Es werde auch nach wie vor geprüft, ob der Beschuldigte wirklich ganz allein gehandelt habe.

Der 20-Jährige war nach der Durchsuchung seiner Wohnung zunächst vorläufig festgenommen worden, wurde nach einem umfassenden Geständnis wegen fehlender Haftgründe am Montagabend aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Es bestehe keine Fluchtgefahr, er sei nicht vorbestraft und habe außerdem “über seine Taten hinaus” Hilfe bei der Aufklärung geleistet, sagte Ungefuk. Der Beschuldigte habe auch Reue gezeigt und sei möglicherweise unbedacht oder leichtfertig gewesen. Bei jüngeren Tätern erlebe man oft, dass “ein großes Nachdenken einsetzt”, wenn plötzlich die Polizei vor der Tür stehe.

Nach Angaben der Sicherheitsbehörden wohnt der 20-Jährige bei seinen Eltern und fällt noch unter das Jugendstrafrecht. Ihm könne genauso eine Jugendstrafe drohen wie erzieherische Maßnahmen, sagte Ungefuk. Ermittelt wird wegen des Verdachts der Ausspähung von Daten und der unberechtigten Veröffentlichung dieser Daten.

Der junge Mann soll über das inzwischen gesperrte Twitter-Konto @_0rbit im Dezember persönliche Daten von Politikern und Prominenten veröffentlicht haben. Rund 1000 Politiker, Prominente und Journalisten sind betroffen, darunter Politiker aller Bundestagsparteien mit Ausnahme der AfD. Etwa 50 Fälle sind laut Bundesinnenministerium schwerwiegender, weil größere Datenpakete wie Privatdaten, Fotos und Korrespondenz veröffentlicht worden waren.

Seine Hacker-Kenntnisse habe sich der 20-Jährige selbst beigebracht, sagte Ungefuk. Der Beschuldigte sei sehr computeraffin, verfüge aber über keine entsprechende Ausbildung etwa als Informatiker. Das grundsätzliche Computer-Interesse und Zeit seien die Faktoren, die bewirkten, dass sich viele junge Leute ohne Informatik-Ausbildung solche Kenntnisse aneignen und entsprechend im Internet agieren könnten.

Die Ermittler gehen davon aus, dass sich der Verdächtige die veröffentlichten Daten nicht in einer einmaligen Aktion beschaffte, sondern mehrmals zuschlug. Dabei habe er Sicherheitslücken ausgenutzt, von denen einige inzwischen bereits behoben seien. Nach Einschätzung der Ermittler war für die Aktion “ein gewisser technischer Sachverstand erforderlich”. Eine Vielzahl der Taten stamme aus dem Jahr 2018, wann der junge Mann anfing zu spionieren, werde aber noch geklärt. Zusätzlich habe er Daten aus öffentlich zugänglichen Quellen zusammengetragen.

Auf die Spur des Beschuldigten kamen die Ermittler unter anderem durch die Durchsuchung einer Wohnung in Heilbronn und die Befragung eines 19-jährigen Zeugen. Die Erkenntnisse daraus seien “sachdienlich” für die Identifizierung gewesen.

Die Leiterin der Abteilung Schwere und Organisierte Kriminalität im Bundeskriminalamt, Sabine Vogt, rief zu Vorsicht mit persönlichen Daten im Internet auf. Jeder sei gefordert, seine eigenen Maßnahmen zu treffen und beispielsweise möglichst sichere Passwörter zu wählen. Einige Bundestagsabgeordnete, die ausgespäht worden waren, hatten sich am Dienstag schon neue Handynummern zugelegt. (dpa)