Bischof Voderholzer wäscht Füße am Gründonnerstag

Nachrichten Regensburg, Regional, 19. April  2019, 11.11 Uhr | Kommentare deaktiviert
Bischof Dr. Rudolf Voderholzer wusch unter anderem Diakon Reinhold Röttger die Füße.

Foto: Julia Wächter | Bischöfliche Presse- und Medienabteilung, Bistum Regensburg.

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer wusch unter anderem Diakon Reinhold Röttger die Füße.

„Lassen wir uns nicht auseinanderdividieren!“

Bischof Voderholzer wäscht 12 Frauen und Männern die Füße, die die Stände und Berufungen der Kirche repräsentieren.

Am Gründonnerstag hat Bischof Dr. Rudolf Voderholzer zwölf Frauen und Männern im Regensburger Dom St. Peter die Füße gewaschen. Behilflich waren ihm dabei der Vorsitzende des Caritasverbandes und der Katholischen Jugendfürsorge Domkapitular Msgr. Dr. Roland Batz sowie Caritasdirektor Diakon Michael Weißmann.

In diesem Jahr stellten diese zwölf Menschen einen Querschnitt durch die Stände und Berufungen der Kirche dar und repräsentierten so das Ganze der Kirche: zwei Priester, zwei Diakone, zwei Ordenschristen, zwei Ehepaare und zwei Vertreter des öffentlichen Lebens, die ihren Glauben, ihre Erfahrung und ihr Urteil im Diözesanpastoralrat des Bistums einbringen. Frauen und Männer also, sowohl nach den evangelischen Räten lebend, als auch im Ehestand.

Die symbolische Fußwaschung im Rahmen der Messfeier am Gründonnerstag erinnert an den letzten Abend Jesu in der Gemeinschaft mit seinen Jüngern, an dem er ihnen die Füße wusch mit der Aufforderung, es ihm gleichzutun: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe“ (Joh 13,15).

 

Querschnitt durch Stände und Berufungen der Kirche

Priester, Diakone, Ordensleute und Weltchristen – sie alle verwirklichen je auf ihre Weise die Sendung der Kirche. Sie sind die verschiedenen Glieder am Leib Christi, an der Kirche, deren „Fruchtbarkeit und Glaubwürdigkeit vom Miteinander der verschiedenen Ämter und Berufungen“ abhängt, betonte der Regensburger Bischof in seiner Predigt.

In der Kirche dürfe es nicht um Konkurrenz, sondern um Ergänzung und Miteinander gehen, so der Bischof: „Lassen wir uns nicht auseinanderdividieren durch Verdächtigung und Argwohn. Beten wir lieber füreinander, dass der Geist einem jeden von uns zeige, wie und wo seine Aufgabe ist.“

 

Seine Einladung an die Priester, Diakone und Ordensleute, sich die Füße waschen zu lassen, versteht Bischof Voderholzer als ausdrücklichen Akt der Solidarität: „Angesichts eines bisweilen sogar unverhohlen öffentlich geäußerten Generalverdachts gegen die Priester, Diakone und pastoralen Mitarbeiter möchte ich mein Votum bekräftigen, und ich sage voller Dankbarkeit: Die Priester und die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bistum leisten in ihrer überwältigenden Mehrheit einen hervorragenden Dienst in der Verkündigung des Evangeliums und in der Weitergabe des Glaubens. Ich stelle mich vor die Priester, die Diakone, die Ordensleute und alle, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Dass es schwarze Schafe gab, zum allergrößten Teil schon vor langer Zeit, so dass die Beschuldigten nicht mehr leben und sich nicht mehr äußern und auch nicht zur Rechenschaft gezogen werden können, schmerzt; schmerzt gerade angesichts vieler zerstörter Kinderseelen, die an Gott geradezu irre werden mussten. Aber wir dürfen über all dem nicht den oft hingebungsvollen Einsatz der vielen anderen übersehen. Dafür bin ich, dafür sind wir alle sehr dankbar. Und das soll dieses im wahrsten Sinne des Wortes bescheiden-demütige Zeichen heute auch zum Ausdruck bringen.“

Zudem betonte der Bischof die wichtige Bedeutung der Ehe als „Keimzelle der Familie“. Wo Hauskirche gelebt werde, wo der Glaube weitergegeben werde, wo Kinder als Segen statt als Belastung erkannt werden, dort kann das Evangelium auf fruchtbaren Boden fallen.

Frauen und Männer, die den Weltdienst in den vielen Bereichen des öffentlichen Lebens verwirklichen, „tun einen unersetzlichen Dienst, der niemals vom Bischof oder den Priestern getan werden könnte“, sagte Bischof Voderholzer weiter.

Er warnte zugleich vor den Folgen, die entstehen, wenn sich Laienverbände in theologischen Fragen mit Forderungen zu Wort melden, die dem Glauben der Kirche zuwiderlaufen. Dies führe zu einer „Laisierung des Klerus“ und einer „Klerikalisierung der Weltchristen“, was sich letztlich als „Schaden für die Kirche“ erweise.

 

Folgenden Personen hat Bischof Voderholzer in diesem Jahr die Füße gewaschen:

Josef Grabmeier, verdienter Priester, Domkapitular i.R., Regensburg

Pascal Olivier Angue, na. Pfarrvikar in Neutraubling, Priester der Weltkirche, Neutraubling

Reinhold Röttger, Diakon in Ruhe, Regensburg

Franz Prem, Diakon, Krankenhausseelsorger am Universitätsklinikum Regensburg, Falkenstein

Sr. Franziska Pakula, Dienerin der unbefleckten Gottesmutter, Mitarbeit im Alten- und Pflegeheim St. Josef, Regensburg

 

Fr. Robert Wimmer OH, Barmherziger Bruder, Krankenpfleger im Krankenhaus Barmherzige Brüder, Regensburg

Helene und Hans Schorner, Ehepaar, 51 Jahre verheiratet, Schnaittenbach

Beate und Carl-Maria Böhm, Ehepaar, 51 Jahre verheiratet, Bodenwöhr

Eva Czinczoll, Religionslehrerin, Vertreterin des Verbands der Kath. Religionslehrer und Religionslehrerinnen an den Gymnasien in Bayern e. V. im Diözesankomitee, Pettendorf

Richard Reisinger, langjähriges Mitglied im Pfarrgemeinderat und Diözesanpastoralrat, Landrat, Sulzbach-Rosenberg

 

Vom Gründonnerstag bis zum Ostersonntag

Am Ende der Gründonnerstagsmesse zog Bischof Rudolf Voderholzer mit den Weihbischöfen, dem Domkapitel und dem Liturgischen Dienst hinaus in den Domgarten zur Ölberggruppe, wo bei Kerzenlicht und Fackeln Jesu gedacht wurde, der am Abend vor seinem Leiden am Ölberg zum Vater betete.

Mit der Messe vom letzten Abendmahl beginnt das „Triduum sacrum“. Die drei „heiligen Tage“ umfassen das Gedächtnis vom Leiden und Sterben Jesu, der Grabesruhe und der Auferstehung Christi.