Auftakt in Bayreuth: Wagner-Festspiele haben begonnen

Es ist ein sonniger Sommerabend in Bayreuth – doch die begehrtesten Plätze sind nicht im Biergarten oder in der Eisdiele, sondern im Festspielhaus. Der Auftakt wurde ein Opernabend der Frauen.

Es war der Abend der Frauen in Bayreuth: Dirigentin Oksana Lyniv ist nach ihrem Debüt bei der Premiere der neuen Produktion bei den Richard-Wagner-Festspielen am Sonntagabend begeistert gefeiert worden. Übertroffen wurde der Jubel für die 43-Jährige, die als erste Frau eine Oper bei den berühmen Festspielen dirigierte, nur von dem für eine andere Bayreuth-Debütantin: Die litauische Sopranistin Asmik Grigorian war in der Rolle der Senta der erklärte Star des Abends. Die Zuschauer hielt es nicht mehr auf den Sitzen, als sie sich nach der gut zweistündigen Oper „Der fliegende Holländer“ vor dem Publikum verbeugte.

Prominentester Premierengast war Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die kurz vor Beginn vorfuhr und mit ihrem Mann Joachim Sauer kam.

Im schwarzen, langen Rock und im orange-farbenen Blazer schritt Merkel vor das Königsportal, wo Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sie erwartete. Statt Händedruck begrüßten sich die beiden Politiker corona-konform mit einer Verbeugung. Zugleich erklang vom Balkon oberhalb des Portals die erste Fanfare, die den baldigen Beginn der Aufführung anzeigte.

Es ist Merkels Abschiedsbesuch als Kanzlerin in Bayreuth. Ihre Amtszeit endet nach der Bundestagswahl im Herbst. Die Kanzlerin gilt als große Anhängerin von Wagners Werk und war regelmäßig in Bayreuth zu Gast.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kam mit seiner Frau Karin, die ein dunkelblaues Kleid aus Spitzenstoff trug. Der rote Teppich, der sonst bei der Eröffnung ausgerollt wird, blieb in diesem Jahr im Depot, auch der Staatsempfang im Anschluss wurde abgesagt. Wegen der Corona-Einschränkungen dürfen in diesem Jahr 911 Menschen pro Vorstellung ins Haus, normalerweise sind es knapp 2000.

Vieles ist eben anders als sonst am Grünen Hügel zu Bayreuth, wo Tradition immer noch großgeschrieben wird. Wer ein Ticket für die Festspiele hat, muss sich zuvor registrieren, denn rein darf nur, wer komplett geimpft, genesen oder getestet ist.

Nach erfolgreicher Registrierung gibt es ein pinkfarbenes Bändchen fürs Handgelenk. Das passt natürlich nicht immer zu den feinen Abendroben. Aber auch eine FFP2-Maske ist ein ungewohntes Accessoire für einen Opernabend. Muss aber derzeit sein.

Ungewohnte Bilder bieten sich auch neben dem Festspielhaus: Foodtrucks sind aufgebaut, um die lange Wartezeit zwischen Registrierung und Einlass zu verkürzen. Pastabox statt Hummerbratwurst – es wirkte wie ein kleiner Demokratisierungsschub am Grünen Hügel.

Erwartbare und einigermaßen einhellige Buhs gab es am späten Abend für das Regieteam um Dmitri Tcherniakov für eine Inszenierung mit guter Grundidee aber ausbaubarer Umsetzung. Er hatte die romantische Wagner-Oper als Rache-Geschichte à la Graf von Monte Christo auf die Bühne bringen wollen, scheiterte damit aber dank einer allzu schlichten Umsetzung mit leblosem Bühnenbild und problematischer Figurenführung, die es den Sängern sehr schwer machte.

Durch den Ausfall im Vorjahr konnte die geplante Neuinszenierung von Richard Wagners vierteiligem „Ring des Nibelungen“ nicht realisiert werden. Das Projekt wurde wegen Corona auf 2022 vertagt.

Als eine Art Ersatz dafür soll es in diesem Jahr zu jeder der vier „Ring“-Opern ein Projekt geben. Zum diesjährigen Programm gehören zudem „Die Meistersinger von Nürnberg“ in der Inszenierung von Barrie Kosky und Tobias Kratzers „Tannhäuser“. Andris Nelsons und Christian Thielemann werden Konzerte im Festspielhaus dirigieren. Das Festival endet am 25. August. (dpa/lby)