Auftaktplädoyers im Prozess gegen R. Kelly

In den 90er Jahren wurde R. Kelly mit Hits wie „I Believe I Can Fly“ zum Superstar. Schon damals gab es Missbrauchsvorwürfe gegen den Sänger. Jetzt muss er sich vor einem New Yorker Gericht verantworten.

Im Prozess unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger gegen den früheren Pop-Superstar R. Kelly (54) sollen an diesem Mittwoch in New York die Auftaktplädoyers starten.

Zuvor waren in der vergangenen Woche an dem Gericht im Stadtteil Brooklyn Dutzende potenzielle Geschworene befragt worden, bevor eine Jury bestehend aus sieben Männern und fünf Frauen von Richterin Ann Donnelly eingeschworen wurde. Zudem wurden sechs Ersatzjuroren ausgesucht. Alle Mitglieder der Jury sollen anonym bleiben. Der Musiker verfolgte die Jury-Auswahl vor Gericht.

Kelly muss sich laut Anklageschrift unter anderem wegen Erpressung und sexueller Ausbeutung Minderjähriger verantworten. Gemeinsam mit einem Team von Angestellten soll er jahrelang Mädchen und Frauen zum Sex gezwungen haben. Der seit seiner Festnahme im Sommer 2019 im Gefängnis sitzende Musiker hat alle Vorwürfe immer wieder zurückgewiesen und seinen Kritikern eine Rufmord-Kampagne vorgeworfen.

Der Prozess sollte eigentlich im Mai 2020 starten, wurde aber wegen der Corona-Pandemie mehrfach verschoben. Der 54-Jährige versuchte wiederholt, die Pandemie auch als Anlass zu nehmen, auf Kaution vorzeitig aus der Haft entlassen zu werden. Diese Anträge wurden aber immer wieder abgelehnt.

Das Verfahren soll mehrere Wochen dauern. Bei einer Verurteilung könnte dem „I Believe I Can Fly“-Sänger eine jahrzehntelange Haftstrafe drohen. Außerdem liegen auch noch in Chicago und Minnesota ähnliche Anklageschriften gegen ihn vor. 2008 hatte Kelly in Chicago schon einmal vor Gericht gestanden, damals wegen des Besitzes von Abbildungen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs, war aber freigesprochen worden.

Die ersten Anschuldigungen gegen den 1967 in Chicago geborenen Robert Sylvester Kelly waren bereits vor rund 25 Jahren bekannt geworden. Aber der Musik-Koloss schien unangreifbar auf seinem Pop-Thron – mit mehr als 50 Millionen verkauften Alben, mehreren Grammys und anderen Auszeichnungen gehörte er zu den erfolgreichsten Musikern des späten 20. Jahrhunderts.

Spätestens als auch im Zuge der #MeToo-Bewegung gegen sexuelle Belästigung die aufsehenerregende Dokumentation „Surviving R. Kelly“ die Anschuldigungen 2019 zusammenfasste, wurde es um den Sänger immer einsamer. Stars distanzierten sich von ihm, zudem Radiosender, Streaming-Dienste und dann auch sein Musiklabel RCA, das zu Sony Music gehört. Im Sommer 2019 wurde R. Kelly schließlich in Chicago festgenommen, als er gerade mit seinem Hund „Believe“ spazieren ging. (dpa)