Baumaschinen-Hersteller verzeichnen gegenläufige Trends

Die Weltleitmesse der Baumaschinenhersteller, die Bauma in München, beginnt am Montag mit deutlich weniger Ausstellern als früher. Ein Lichtblick für die Branche ist der steigende Bedarf an Rohstoffen.

Die internationale Baumaschinenmesse Bauma beginnt am Montag in München unter ungünstigen Vorzeichen: Der Internationale Währungsfonds IWF sieht die Gefahr einer globalen Rezession. Materialmangel, Inflation und steigende Zinsen belasten Bauherren und Maschinenbauer. Im deutschen Wohnungsbau gibt es eine Stornierungswelle, und die Erwartungen der Bauunternehmen sind laut dem Ifo-Institut auf dem tiefsten Stand seit 33 Jahren.

Die Baumaschinenbranche hat bis heute noch keine Prognose für das laufende Jahr gewagt. Hersteller von Bergbautechnik profitierten von der weltweit steigenden Nachfrage nach Rohstoffen, „da gibt es eher einen Aufwärtstrend“. Aber bei Baustoffanlagen und Baumaschinen spürten die Firmen die abflauende Baukonjunktur in Europa, heißt es beim Branchenverband VDMA. Mehr Klarheit und neue Impulse erhofft er sich jetzt von der Weltleitmesse Bauma.

Zur Eröffnung am heutigen Montag (09.30) werden Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erwartet. Die Bauma gilt als größte Messe der Welt – auf 614.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche können die Besucher eine Woche lang riesige Muldenkipper für den Bergbau, 540 Tonnen schwere Raupenkrane oder Krane von der Höhe der Münchner Frauenkirche bestaunen.

Aber es kommen weniger Aussteller als bei der letzten Bauma vor drei Jahren. Statt damals 3800 sind jetzt nur noch etwa 3100 da – die meisten aus Deutschland, Italien und der Türkei. China kämpft weiter mit der Corona-Pandemie, die eigentlich für November geplante nationale Bauma-Ausgabe in Schanghai wurde abgesagt, die Zahl der chinesischen Aussteller ist auf knapp ein Viertel zusammengeschrumpft. Und Russland ist gar nicht mehr dabei.

Als internationale Geschäftsplattform ist die Bauma wichtig – „ein Ort, wo sich Firmen präsentieren, Partner treffen und Geschäfte abschließen“, sagte Messesprecherin Sabine Wagner. Mit Baumaschinen aus deutscher Produktion erwirtschafteten die meist mittelständischen Hersteller im vergangenen Jahr 12,4 Milliarden Euro. Zwei Drittel davon wurde ins Ausland verkauft, vor allem in die EU-Staaten und in die USA. Den eigentlich erhofften kräftigen Umsatzzuwachs hat die Branche aber längst abgeschrieben.

Die vollen Auftragsbücher in der Baumaschinen- und in der Baustoffanlagenindustrie täuschten, heißt es beim VDMA. In Europa wirkten die laufenden Förderprogramme für die Infrastruktur noch, sagte Fachverbandssprecherin Martina Scherbel. Im Wohnungsbau jedoch würden Ziele verfehlt. Vielleicht sorge das Feedback der Aussteller nach der Bauma für insgesamt mehr Klarheit in der Branche.

Für die Messeveranstalter soll die Bauma dieses Jahr ganz im Zeichen der Digitalisierung und Nachhaltigkeit stehen. Digitalisierte Bauprozesse und automatisierte oder sogar autonome Maschinen sollen den Fachkräftemangel abfedern und zugleich den CO2-Ausstoß senken.

Der Bauma-Innovationspreis für Klimaschutz ging an den Maschinenbaukonzern Liebherr für einen Raupenbagger mit Wasserstoffmotor. Die Arbeitsgemeinschaft MiC 4.0 erhielt den Preis für Digitalisierung für eine einheitliche digitale Sprache für Baustellen. Den Forschungspreis gab es für eine Technik zum umweltschonenden Abbau von Rohstoffen in der Tiefsee.

In mehreren tausend Metern Tiefe, bei extremem Druck und in völliger Dunkelheit lagern große Mengen Kupfer, Nickel, Kobalt und Zink im Boden der Ozeane. Die Universitäten Freiberg, Rostock, Erlangen-Nürnberg und die Maschinenbaufirmen Bauer sowie Krebs & Aulich haben „einen sehr vielversprechenden Ansatz“ entwickelt, Mineralien relativ schonend aus dem Tiefseeboden zu fräsen. (dpa)