Bayern bereitet sich auf Ankunft ukrainischer Flüchtlinge vor

In Kiew kauern sich die Menschen in den U-Bahn-Stationen zusammen. Auch in anderen Städten der Ukraine schlagen Bomben ein. Wer kann, flieht. Der Freistaat bereitet sich auf die Aufnahme von Hilfsbedürftigen vor – und kann dabei auf seine Erfahrung setzen.

Der Krieg ist erst wenige Tage alt, und doch bereitet sich Bayern bereits intensiv auf die Versorgung von ukrainischen Flüchtlingen vor. „Es zeichnet sich ab, dass sich viele Menschen in der Ukraine auf den Weg machen“, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Sonntag in Krün. Viele flüchteten vor den Schrecken des Krieges; ihr Leben sei bedroht.

Sie unterschieden sich allerdings von Flüchtlingen aus anderen Kontinenten. Viele hätte sich ins Auto gesetzt und steuerten teils Verwandte und Freunde an, die in Deutschland lebten. Eine größere Zahl ukrainischer Mitbürger lebe etwa seit langem im Großraum München.

Man sei in der Lage, zusätzliche Plätze in Flüchtlingsunterkünften zur Verfügung zu stellen. Wegen der wieder gestiegenen Zahl von Flüchtlingen etwa aus Afghanistan seien diese allerdings gut belegt, sagte Herrmann. „Ob sich das so entwickelt, dass so viele kommen, dass wir in den nächsten Wochen auch wieder Schulturnhallen belegen müssen, kann ich heute noch nicht sagen.“

Landkreise und Kommunen sind bereits dabei auszuloten, wo konkret wie viele Hilfsbedürftige untergebracht werden können, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur zeigt.

„Wir haben die Kommunen bereits angeschrieben und eine Bestandsaufnahme angefordert“, erläuterte ein Sprecher des Innenministeriums. „Man will einen Überblick gewinnen, welche Anzahl von Zugängen man derzeit bewältigen kann.“ Aber auch, welche Maximalkapazität sich mit dem Aufbau entsprechender Strukturen bewältigen ließe und wie lange es dauern würde, diese aufzubauen. „Wir haben da ja schon aus der Zeit um 2015 einige Erfahrungen.“

Der Landkreis Oberallgäu steht bereits parat, um kurzfristig bis zu 400 Menschen in Notunterkünften unterzubringen. Dafür soll zunächst die Turnhalle der Immenstädter Berufsschule hergerichtet werden.

Der Landrat des Landkreises München, Christoph Göbel, rief derweil die Bevölkerung zum Helfen auf: „Wenn Sie Platz zur Aufnahme von Geflüchteten aus der Ukraine haben, sei es in Privathäusern, Wohnungen oder anderen geeigneten Unterbringungsmöglichkeiten, die derzeit zur Verfügung stehen, melden Sie diesen bitte an uns.“

Die Stadt München kann kurzfristig rund 500 Plätze für die Unterbringung von Geflüchteten zur Verfügung stellen. Weitere 1000 Plätze würden derzeit vorbereitet, hieß es. Auch könnten ausreichende medizinische Kapazitäten bereitgestellt werden. „Dass wir schnell und professionell helfen können, haben wir ja schon 2015 gezeigt. Auf diese Strukturen und Erfahrungen können wir jetzt zurückgreifen“, betonte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD).

Nürnberg, wo bereits mehr als 4000 Ukrainer leben, hat ebenfalls schon ganz konkrete Maßnahmen getroffen. Die Melde- und die Ausländerbehörde seien bereits vorbereitet, die rechtlichen und organisatorischen Vorbereitungen in Abstimmung mit den Behörden des Freistaats erfolgt. „Das Amt für Migration hat für ukrainische Bürger bereits einen Hinweis auf der städtischen Internetseite mit wichtigen Links eingerichtet“, sagte ein Stadtsprecher.

Die größte fränkische Kommune sei darauf vorbereitet, nicht nur Flüchtlinge, die über den deutschlandweiten Schlüssel verteilt werden, zu versorgen. Auch Familienangehörige oder Freunde von Einwohnern, die direkt in der „Stadt der Menschenrechte“ einträfen, erhielten Unterstützung. „Da kann auch auf bewährte Strukturen in Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen, der Feuerwehr und kommunalen Einrichtungen zurückgegriffen werden. Dazu zählen dann auch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer“, berichtete der Sprecher.

In der Nachbarstadt Fürth sind derzeit keine städtischen Unterkünfte frei. „Es wird aber bereits damit begonnen, nach anderweitigen Lösungen zu suchen“, betonte die Stadt.

„Wir sind bereit, unseren Part zu leisten“, unterstrich Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU). Die Stadt habe Kapazitäten, Geflüchtete aus der Ukraine aufzunehmen. Auch stünden die Kommune und der Ukrainische Verein in Augsburg im Austausch, um konkrete Hilfsmaßnahmen der Stadtgesellschaft zu initiieren.

„Ich hatte bis zuletzt gehofft, dass die Diplomatie siegt und dass wir aus der Vergangenheit gelernt hätten, dass es bei einem Krieg immer nur Verlierer gibt“, sagte Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU). „Ich hatte gehofft, dass unserer Generation das erspart bleibt, was uns unsere Eltern und Großeltern berichten mussten.“ Würzburg bereite sich jetzt vor, Flüchtlinge aufzunehmen.

Auch das Kultusministerium trifft Vorkehrungen, damit geflüchtete Kinder aus der Ukraine an den Schulen unterrichtet werden können. „Wir planen, die Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine in die entsprechenden Klassen für Geflüchtete in ganz Bayern aufzunehmen. Wir lassen sie keinesfalls allein“, sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Sonntag in München. Bayern verfüge über „bewährte Instrumente für die schulische Integration von geflüchteten Kindern und Jugendlichen“. (dpa/lby)