Abzug Tausender Soldaten? Düsteres Szenario für Oberpfalz

US-Präsident Trump will Tausende Soldaten aus Deutschland abziehen. Nach der Verkündung erster Details durch den US-Verteidigungsminister Mark Esper deuten sich harte Einschnitte für zwei bayerische Standorte an.

Macht US-Präsident Donald Trump ernst? Aus Bayern und anderen Bundesländern will er insgesamt fast 12 000 Soldaten abziehen – allein 4500 Soldaten sollen die Kleinstadt Vilseck verlassen. Auch die unweit gelegene Stadt Grafenwöhr mit einem der größten Truppenübungsplätze Europas könnte in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Region würde das hart treffen.

Derzeit sind an beiden Standorten mehr als 10 000 Soldaten stationiert – ein enormer Wirtschaftsfaktor, wie Grafenwöhrs Bürgermeister Edgar Knobloch (CSU) sagt. Bei der US-Armee und deren Vertragspartnern seien etwa 3000 Einheimische beschäftigt. Zudem hätten sich im Laufe der Jahrzehnte Freundschaften und enge Kontakte zwischen Soldaten und Anwohnern entwickelt. Auch Ehen wurden geschlossen.

Insgesamt will Trump aus Deutschland rund 6400 Soldaten in die USA zurückholen sowie weitere 5600 in andere Nato-Länder verlegen, wie Verteidigungsminister Mark Esper am Mittwoch in Washington erklärt hatte. Ihm zufolge soll das zweite Kavallerie-Regiment aus Vilseck abgezogen werden. Für Grafenwöhr wird nach dpa-Informationen mit dem Abzug von möglicherweise rund 1000 Soldaten gerechnet.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kritisierte die Abzugspläne und kündigte umgehend Unterstützung an. „Wir werden allen betroffenen Standorten helfen. Vor allem die Bundeswehr ist gefragt. Wir warten jetzt ab, ob die Entscheidung auf Dauer bleibt“, sagte Söder.

Zur Umsetzung des geplanten – und wahrscheinlich aus logistischen Gründen langwierigen – Teilabzugs dürfte das letzte Wort noch nicht gesprochen sein. Im US-Kongress hat sich bereits bei den Republikanern und den Demokraten Widerstand formiert. Im November wird ein neuer Präsident gewählt. Trump bewirbt sich um eine zweite Amtszeit, liegt in den Umfragen allerdings klar hinter seinem designierten Herausforderer Joe Biden.

Trump hatte den Teilabzug der US-Truppen aus Deutschland im Juni angekündigt. Er begründet ihn mit den aus seiner Sicht zu geringen Verteidigungsausgaben Deutschlands. (dpa/lby)