Bayerns Kurbäder fordern Öffnungsstrategie

Mit ausgefeilten Hygienekonzepten wollen Heilbäder im Freistaat den Betrieb wieder aufnehmen – sie verweisen auf den gesundheitlichen Wert von Kuren. Bayerns Verbandspräsident mahnt angesichts der Pandemie allerdings auch zur Vorsicht.

Etliche Kur- und Heilbäder in Bayern fordern angesichts des Corona-Lockdowns eine klare Öffnungsstrategie und verweisen auf ihren Beitrag zur körperlichen und seelischen Gesundheit vieler Menschen sowie auf die zahlreichen Arbeitsplätze. Kurorte und Badbetreiber seien – wie viele andere Branchen – von den Folgen der Pandemie schwer getroffen, sagt Alois Brundobler, Vorsitzender des Bayerischen Heilbäder-Verbandes (HBV) in Bad Füssing. „Die Situation ist verheerend.“

Mit Blick auf steigende Inzidenzwerte und die Ausbreitung von Corona-Mutationen sagt Brundobler aber auch: „Was soll die Politik tun? Die Hygienekonzepte sind gut, aber lassen sich Öffnungen verantworten? Und wer will die Verantwortung übernehmen?“ Solange nicht die Mehrheit der Bürger immunisiert sei, bleibe die Lage eine Gratwanderung.

In Bad Füssing versucht man, aus der Not eine Tugend zu machen: Das Heilbad an der österreichischen Grenze eröffnete diese Woche ein eigenes Corona-Schnelltestzentrum. „Das neue Testzentrum eröffnet uns hoffentlich sehr bald die Möglichkeit, wieder Gäste bei uns begrüßen zu können“, sagte Bürgermeister Tobias Kurz laut Mitteilung.

In Bad Birnbach forderten Politiker und Kurbetreiber jüngst eine klare Öffnungsstrategie. Michael Fahmüller (CSU), Landrat des Landkreises Rottal-Inn, zufolge haben die Kurorte bereits im vergangenen Jahr gute Hygienekonzepte erarbeitet. Sie seien keine Pandemie-Treiber. Bad Birnbach im Rottal bildet zusammen mit Bad Füssing und Bad Griesbach (beide Landkreis Passau) das sogenannte niederbayerische Bäder-Dreieck. Heil- und Thermalbäder müssten als Gesundheits- und nicht als reine Freizeiteinrichtungen bewertet werden, ergänzte der Bundestagsabgeordnete Max Straubinger (CSU).

Dem pflichtet Verbandsvorsitzender Brundobler bei. Kur- und Heilbäder könnten Menschen aus ihrer physischen und psychischen Belastung heraushelfen und sollten deshalb als Gesundheitseinrichtungen eingestuft werden. Zudem seien Kurorte Arbeitgeber für Tausende Menschen. Stefan Kannewischer, Geschäftsführer unter anderem der KissSalis Therme in Bad Kissingen, sagt, dass sich wegen der Kurzarbeit bereits einzelne Mitarbeiter Beschäftigungen in anderen Branchen gesucht hätten. Das Personal werde nach dem Lockdown fehlen.

Brundobler und Kannewischer kritisieren eine schleppende Zahlung von Hilfsgeldern. In Kombination mit dem Umsatzausfall sei das eine besonders schwierige Situation. Kurdirektor Mike Bernasco von der Franken-Therme in Bad Windsheim spricht von 90 Prozent Umsatzeinbußen seit November. Sie hätten lediglich Gutscheine verkauft. Als öffentliches Unternehmen habe die Therme zwar November- und Dezemberhilfen erhalten, jedoch keine Überbrückungshilfen.

Nach HBV-Angaben gingen 2020 die Übernachtungszahlen in Bayerns Kurorten im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurück: um 32,1 Prozent auf 15,5 Millionen Übernachtungen. Andererseits hätten Heilbäder und Kurorte zwischen 2014 und 2016 gut 200 Millionen Euro investiert. (dpa)