Bündnis fordert Schließung von Ankerzentren

Drei Jahre nach Öffnung der ersten Ankerzentren für Asylbewerber in Bayern fordert der Bayerische Flüchtlingsrat mit 65 Wohlfahrtsverbänden, Menschenrechts- und Flüchtlingsorganisationen ein Ende der Sammelunterkünfte. Das erklärte Ziel sei nicht erreicht worden, teilte der Bayerische Flüchtlingsrat am Donnerstag mit. Asylverfahren würden nicht beschleunigt, die Bewohner seien oft ausgegrenzt und entrechtet.

Dem bundesweiten Appell schlossen sich unter anderem die Diakonie Deutschland, der Deutsche Caritasverband, der Paritätische Gesamtverband, die Arbeiterwohlfahrt Bundesverband, Handicap International, Amnesty International Deutschland und Pro Asyl an.

„Besonders notwendig ist die Schließung der Ankerzentren, weil der Aufenthalt dort die Menschen zermürbt, die dort über lange Monate und Jahre untergebracht sind – Familien mit Kindern bis zu sechs Monaten, alle anderen bis zu zwei Jahren“, hieß es in der Mitteilung.

Bis zu 1500 Geflüchtete müssten sich je nach Standort auf engem Raum Mehrbettzimmer, sanitäre Anlagen und Gemeinschaftsräume teilen. „Sie haben keine Privatsphäre und sind einer ständigen Kontrolle und Überwachung durch Sicherheitsdienste und Polizei ausgesetzt.“ Die Situation trage dazu bei, dass manche Geflüchtete retraumatisiert würden. Die Corona-Pandemie habe die Zustände verschärft.

Ankerzentren sind Einrichtungen, in denen Asylsuchende und Flüchtlinge untergebracht werden und bis zur Entscheidung des Asylantrages bleiben. Anker steht für „Ankunft, Entscheidung sowie kommunale Verteilung beziehungsweise Rückführung“. Abgelehnte Bewerber werden direkt aus dem Zentrum abgeschoben. Am 1.8.2018 gingen in Bayern sieben Ankerzentren, eines in jedem Regierungsbezirk, in Betrieb. (dpa/lby)