Bayern will gegen Omikron nichts ausschließen

Vorerst kein Lockdown, aber Treffen nur noch im kleinen Kreis: Darauf könnten sich Bund und Länder bei ihrem Corona-Krisengipfel wegen der Ausbreitung der Omikron-Variante einigen. Bayern will auch härtere Maßnahmen nicht ausschließen.

Vor der neuerlichen Bund-Länder-Runde zur Corona-Pandemie pocht Bayern darauf, nicht auf bestimmte Maßnahmenverschärfungen von vornherein zu verzichten. „Im Moment ausschließen kann man, wenn man ehrlich ist, auf Dauer noch gar nichts“, sagte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) am Dienstag im Deutschlandfunk. „Man muss für die Zukunft alles offenhalten.“ Ministerpräsident Markus Söder verlangte im ARD-„Morgenmagazin“, das Thema Impfpflicht weiter zu diskutieren. Und der Pandemiebeauftragte des Klinikums Fürth, Manfred Wagner, rechnet damit, dass durch die befürchtete Omikron-Welle das Gesundheitssystem erst recht ans Limit kommt.

Holetschek sagte, niemand wisse, was mit Omikron noch alles auf Deutschland zukomme. „Dieses Virus hat eine große Wucht“, sagte der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz. „Ich glaube, wir müssen uns bewusst machen, es ist nach wie vor eine epidemische Notlage.“

Söder erneuerte seine Forderung, über eine allgemeine Impfpflicht zu sprechen. „Wir bräuchten jetzt dringend auch ein rasches Signal für die Impfpflicht“, sagte er an die Adresse der neuen Bundesregierung gerichtet. Wenn der Corona-Expertenrat der Bundesregierung von einer dramatischen Lage spreche, zugleich aber vor allem nur über neue Kontaktbeschränkungen gesprochen werde, passe dies nicht zusammen. „Es macht jetzt keinen Sinn, bei fallenden Zahlen jetzt die Panik auszurufen“, sagte Söder. Dennoch müssten Bund und Länder heute Klarheit schaffen, was wirklich nötig sei, einer neuen Corona-Welle durch die Omikron-Variante zu begegnen.

Am Dienstagnachmittag beraten Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder über erneute Maßnahmenverschärfungen. Mit Kontaktbeschränkungen auch für Geimpfte, voraussichtlichen Einschränkungen bei Veranstaltungen und Club-Schließungen will die Politik der möglichen Omikron-Welle begegnen.

„Wenn Omikron tatsächlich weniger schwere Verläufe hat, dann muss sich das auch in den Maßnahmen ein Stück weit wiederfinden“, sagte Söder. „Wir müssen zunächst erstmal eine genaue Einschätzung bekommen, wie gefährlich Omikron genau ist, wie es sich auswirkt auf die Krankenhäuser.“

In dem Papier des Corona-Expertenrats vom Sonntag heißt es dazu: „Aufgrund des gleichzeitigen, extremen Patientenaufkommens ist eine erhebliche Überlastung der Krankenhäuser zu erwarten – selbst für den wenig wahrscheinlichen Fall einer deutlich abgeschwächten Krankheitsschwere im Vergleich zur Delta-Variante.“

Der Pandemiebeauftragte des Klinikums Fürth, Manfred Wagner, sagte dem Bayerischen Rundfunk: „Wenn es jetzt wirklich so ist, dass Omikron zu vermehrt Impfdurchbrüchen führt und auch deutlich infektiöser ist, müssen wir davon ausgehen, dass sich auch mehr Klinik-Personal anstecken wird.“ Zudem werde es mehr Patienten geben. „Wir haben Eskalationspläne, das heißt, wir werden dann anderes medizinisches Geschehen weiter herunterfahren müssen, werden noch mehr konzentrieren müssen auf die Corona-Versorgung, was natürlich Auswirkungen auf die anderen Patienten hat.“

Wagner rechnet mit einer Qualitätsverschlechterung in der Versorgung, weil weniger Personal mehr Patienten versorgen müsse. „Wir sind dabei, Teams zu bilden aus höher qualifiziertem Personal und weniger qualifiziertem Personal oder Helferpersonal, einfach, um in irgendeiner Form mit diesem Patientenzustrom zurechtkommen zu können.“

Holetschek sagte, er halte nichts davon, Vorratsbeschlüsse zu fällen. Für den Bund und die Länder sei es immer möglich, kurzfristig zusammenzukommen und über weitere Instrumente zur Eindämmung der Pandemie zu beraten. „Wir müssen natürlich schauen, dass diese nächste Welle nicht nochmal in ein System kommt, wo das Gesundheitssystem sowieso schon am Limit ist“, sagte er. „Wir müssen nochmal schauen, dass wir alles dafür tun, damit wir genügend Impfstoff haben.“ (dpa/lby)