Endlich wieder großes Theater auf der Luisenburg

Im vergangenen Jahr blieb es ruhig auf der imposanten Felsenbühne in Wunsiedel. Nun gibt es dort wieder Musicals und Theaterstücke. Doch natürlich geht es bei den Luisenburg-Festspielen diesmal nicht nur um die Kunst – sondern auch um Mundschutz, Teststrategie und Abstand.

Sommertheater vor imposanten Felsformationen – das hat seit Jahrhunderten Tradition in der oberfränkischen Stadt Wunsiedel. Doch wie die meisten anderen Kulturveranstaltungen hatte im vergangenen Jahr die Corona-Pandemie auch die Luisenburg-Festspiele ausgebremst. Es blieb im Sommer 2020 still auf der großen und beeindruckenden Felsenbühne. Doch dieses Jahr ist der Theater-Trubel zurückgekehrt.

Am Freitag (2. Juli) ist die große Premiere des Musicals „Der Name der Rose“ nach Umberto Ecos gleichnamigem Roman. Es gelte nach wie vor, Demut und Zurückhaltung zu üben, sagt Birgit Simmler, die künstlerische Leiterin der international bekannten Festspiele, angesichts der noch nicht ausgestandenen Pandemie. Aber: „Wir wollen die Chance nutzen, wieder vor unser Publikum zu treten und zusammen ein Fest des Theaters zu feiern.“

Froh darüber, dass sich Wunsiedel wieder in eine echte Festspielstadt verwandelt, ist auch Bürgermeister Nicolas Lahovnik: „Endlich kehrt die Kunst zurück.“ Der Region habe ohne die Festspiele „ein Stück Seele“ gefehlt.

Die Vorbereitungsarbeiten für die Saison standen im Zeichen des Infektionsschutzes. Das große Format der Anlage erleichterte es, dass Schauspieler und andere Beteiligte die Abstände wahren konnten: „Wir sind sehr glücklich, dass wir diese Riesenbühne haben“, sagt Simmler. Die Regieteams hätten sich sehr gut auf die Situation eingestellt. Für Mitarbeitende und Darsteller gebe es eine umfassende Teststrategie.

Simmler und ihr Team haben keineswegs ein reduziertes Programm vorbereitet – im Gegenteil. Da die Festspiele etwas später beginnen als sonst üblich, ist der Spielplan verdichtet worden. Damit sollen möglichst viele Menschen, die bereits Karten aus dem Vorjahr gekauft hatten, auf die Luisenburg kommen können. 80 000 Kunden hatten bereits Tickets für die Luisenburg-Festspiele noch vor der Pandemie erworben.

Zutritt haben nur Menschen mit aktuell negativem Testergebnis, Genesene und vollständig Geimpfte. Das Hygienekonzept sei ein laufender Prozess, sagt Bürgermeister Lahovnik. Bis zum Ende der Festspiele seien Anpassungen jederzeit möglich.

In das nach eigenen Angaben älteste Freilichttheater Deutschlands kommen jährlich mehr als 100 000 Zuschauer. In diesem Jahr werden es deutlich weniger sein. Laut aktueller Regelung dürfen 500 Menschen Theater unter freiem Himmel anschauen.

Wie sich die reduzierte Zuschauerzahl auf die Finanzen der Festspiele auswirkt, ist noch unklar. Konkrete Zahlen will Rathauschef Lahovnik nicht nennen. Man stehe aber im Austausch etwa mit dem Kunstministerium in München. „Ich gehe stark davon aus, dass wir große Unterstützung erfahren werden.“

Fünf neue große Eigenproduktionen bestimmen das Programm. Bei „Der Name der Rose“ führt Simmler selbst Regie, sie spricht von einer „spannenden, vielschichtigen Story“. Man beweise damit, dass die Gattung Musical ein seriöses Genre ist.

Gespielt werden zudem eine Neuinszenierung von Goethes „Faust“, das Familienstück „Pinocchio“ und „Der Brandner Kaspar 2 – er kehrt zurück“. Das Musical „Der Watzmann ruft“ wird direkt ins Felsenlabyrinth verlegt: Das war der ursprüngliche Ort, an dem auf der Luisenburg im 16. und 17. Jahrhundert erstmals Theater gespielt wurde. (dpa/lby)