Ex-Altenpfleger vor Gericht – Prozess teilweise nicht öffentlich

Ein 24-jähriger ehemaliger Altenpfleger muss sich einem Prozess stellen, weil er einem Heimbewohner in Cham in der Oberpfalz ein Kissen auf das Gesicht gedrückt haben soll, bis dieser rot anlief. Die Staatsanwaltschaft warf dem Mann am Dienstag vor dem Landgericht Regensburg gefährliche Körperverletzung sowie Misshandlung Schutzbefohlener vor. Das Opfer erlitt den Angaben zufolge keine bleibenden Schäden.

Auf Antrag der Verteidigung schloss das Gericht die Öffentlichkeit teilweise aus, unter anderem während der Einlassung des Angeklagten, bei der Zeugenaussage einer früheren Kollegin und auch bei der Einschätzung des psychiatrischen Sachverständigen.

Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts des versuchten Totschlags ermittelt. Nun geht die Anklage zugunsten des Mannes davon aus, dass er von einem etwaigen Tötungsversuch freiwillig zurückgetreten sei. Er habe den Angriff auf den Senior beendet, als eine Kollegin ihn angesprochen habe – ohne dass diese körperlich habe eingreifen müssen.

Das Pflegeheim entließ den Mann. Es steht ein Berufsverbot im Raum. Der 24-Jährige war nach der Tat festgenommen und wenige Tage später in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht worden. In dem Verfahren geht es maßgeblich auch um die Frage, wie der Mann nach dem Prozess untergebracht werden kann.

Im Zuge der Ermittlungen prüften die Ermittler damals etwa 15 Todesfälle in dem Seniorenheim in Cham. Im Februar und im April ließen sie die Leichen von drei Bewohnern exhumieren und rechtsmedizinisch untersuchen. Hier habe sich der Verdacht gegen den Mann aber nicht erhärtet, hieß es von der Staatsanwaltschaft.

Für den Prozess vor dem Landgericht Regensburg sind vorerst noch sieben weitere Verhandlungstage angesetzt worden. Das Urteil könnte im Dezember gesprochen werden – das soll dann öffentlich sein. (dpa/lby)