Ex-Nonne über Zustand der Kirche: „Es ist wirklich hoffnungslos“

Die frühere Nonne Doris Reisinger hat keine Hoffnung mehr auf einen angemessenen Umgang der katholischen Kirche mit Betroffenen von sexuellem Missbrauch. „Es ist ein unglaublich ermüdender und kräfteraubender Prozess und ich nehme leider wahr, dass das Grundsystem sich überhaupt nicht ändert“, sagte sie im Interview der Deutschen Presse-Agentur in München. „Es gibt da nach wie vor einen abgrundtiefen Widerspruch zwischen öffentlichkeitswirksamer Rhetorik und wirklichen Taten. Es ist wirklich hoffnungslos, wenn man den Blick auf kirchliche Verantwortungsträger lenkt.“

Reisinger hat gemeinsam mit dem Regisseur Christoph Röhl, dessen Film über Joseph Ratzinger („Verteidiger des Glaubens“) Schlagzeilen machte, ein Buch über Ratzingers Rolle im Missbrauchsskandal der katholischen Kirche geschrieben mit dem Titel „Nur die Wahrheit rettet“.

„Es ist gar keine Frage, dass es eine ganz starke Anhängerschaft gibt, die diesen Mann verehrt und glorifiziert und unter allen Umständen am Mythos Benedikt festhalten will“, sagte Reisinger. „Es fällt mir persönlich auch gar nicht leicht, diesen Mythos anzugreifen und zu zerpflücken. Aber wir sprechen hier über jemanden, der massiv Versäumnisse angehäuft hat.“ (dpa)