Flicks Neun-Punkte-Start: Das WM-Ticket ist nah

Hansi Flick hat Wort gehalten. Mit drei Siegen bringt er die Nationalmannschaft schnell wieder auf Kurs. Dieses Erfolgsprinzip erinnert an seinen später von Titeln gekrönten Start in München.

Erst noch eine schnelle Stärkung im Teamhotel in Reykjavik, dann ging es um kurz vor Mitternacht zurück per Charterjet in die Heimat.

Auf Hansi Flicks Neun-Punkte-Starter warten mit dem FC Bayern München, dem FC Chelsea oder bei Paris Saint-Germain in den nächsten Tagen ganz wichtige Club-Aufgaben. „Ich habe den Spielern auch gesagt, ihr könnt mit breiter Brust zu euren Vereinen gehen, versucht dort, genauso die Leistung abzurufen“, sagte der Bundestrainer nach seiner erfolgreichen Auftaktwoche mit der Fußball-Nationalmannschaft.

„Ich habe ihnen viel Glück und Erfolg gewünscht – und natürlich, dass sie gesund bleiben. Es ist ein guter Abschluss, mit neun Punkten im Gepäck nach Hause zu fahren“, lautet Flicks Rundum-Positiv-Fazit vor der Ankunft im Morgengrauen in Deutschland. „Wenn man die drei Spiele nimmt, können wir sehr zufrieden sein mit der Entwicklung.“

Sieg gegen Island

Das souveräne 4:0 in Island war nach den Erfolgen gegen Armenien (6:0) und Liechtenstein (2:0) der gelungene Schlusspunkt des Dreierpacks in der WM-Qualifikation und erinnerte an einen sehr ähnlichen Drei-Siege-Start von Flick als – später titelgekrönter – Münchner Wunderheiler vor knapp zwei Jahren.

Drei Siege, 12:0 Tore mit der Nationalmannschaft, bei den Bayern waren es drei Siege, 10:0 Tore. „Neun Punkte aus den drei Spielen waren von uns als Vorgabe gesetzt. Die Mannschaft hat das hervorragend umgesetzt“, lobte Flick sein Team, zu dem gleich sechs Münchner Profis als wichtige Säulen gehörten.

Vergessen ist die triste Sommerlaune mit der EM-Enttäuschung unter Joachim Löw. Flick hat den Spielern mit seiner positiven, aber auch knallhart verbindlichen Art Freude und positives Selbstverständnis wiedergegeben. „Ich glaube, gerade machen wir die Kisten. Es ist nicht so, dass wir davor keine Chancen gehabt haben, da haben wir sie nicht gemacht“, beschrieb Torgarant Serge Gnabry den simplen wie entscheidenden Unterschied.

System Flick funktioniert

Der 26-Jährige sowie Timo Werner und Leroy Sané im wieder angeworfenen Turbo-Sturm schraubten mit je einem Tor gegen Island die Trefferbilanz der Angriffs-Troika zur Flick-Premiere auf insgesamt acht Buden. „Die Diskussion brauchen wir nicht wieder zu entfachen“, sagte Gnabry zur zuletzt intensiv debattierten Mittelstürmer-Causa. Antonio Rüdigers Kopfballtor nach Chip-Flanke von Joshua Kimmich war das I-Tüpfelchen und erster Lohn für die Detailarbeit mit dem neuen Standardtrainer Mads Buttgereit. Das System Flick funktioniert an vielen Stellen.

Der Bundestrainer ist ein Mann der Freude, aber nicht der bedingungslosen Jubelpose. Platz eins in der WM-Qualifikation für Katar 2022 verleitet ihn nicht zu Sorglosigkeit. „Da bleiben wir jetzt mal schön ruhig. Ich glaube, es ist wichtig, dass wir uns von Spiel zu Spiel vortasten“, sagte der 56-Jährige.

Aber: Aus drei Punkten Rückstand auf Armenien sind in der Gruppe J in einer Woche vier Punkte Vorsprung geworden. Mit zwei Siegen gegen Rumänien (8. Oktober) und in Nordmazedonien (11. Oktober) kann das WM-Ticket schon fix gebucht werden, wenn Armenien gegen Island oder Rumänien verliert oder zweimal Remis spielt. DFB-Direktor Oliver Bierhoff kann die Planungen für die Advents-WM in Katar intensivieren, die Fans können sich auf ein Glühwein-Turnier freuen, bei dem nicht schon wieder frühzeitig Schluss sein soll. (dpa)