Fünfter Coronavirus-Fall: Bayern wappnet sich für weitere

In China breitet sich das neuartige Coronavirus immer weiter aus. Nun wurde auch in Bayern ein neuer Fall bekannt – und Dutzende Testergebnisse stehen noch aus.

Die Zahl der bestätigten Coronavirus-Infektionen in Bayern ist auf fünf gestiegen. Ein Patient aus dem Landkreis Traunstein habe sich mit dem Virus aus China infiziert, teilte das Gesundheitsministerium am Donnerstagabend in München mit. Es handelt sich den Angaben zufolge wieder um einen Mitarbeiter der Firma Webasto aus dem Landkreis Starnberg, bei der auch die vier bislang bekannten Fälle beschäftigt sind. Weitere Informationen wollte das Gesundheitsministerium am Freitag mitteilen.

Wegen des Coronavirus‘ rief das bayerische Gesundheitsministerium alle Krankenhäuser im Freistaat auf, sich auf die Aufnahme von begründeten Verdachtsfällen und Patienten mit einer bestätigten Infektion vorzubereiten.

110 Kontaktpersonen aus der Firma werden dieser Tage auf das neuartige Virus getestet. Bis Donnerstagabend (20.00 Uhr) lagen bis auf die fünf nun bestätigten Fälle keine weiteren positiven Ergebnisse vor. Neue Testergebnisse wurden voraussichtlich für Freitag erwartet.

Das neuartige Virus 2019-nCoV breitet sich seit einigen Wochen rasant von der chinesischen Millionenmetropole Wuhan aus. Zunächst nur innerhalb der Region Hubei, dann innerhalb ganz Chinas und in andere Länder dieser Welt. Obwohl die neue Lungenkrankheit in den meisten Fällen sehr mild verläuft, ist die Sorge mancher Menschen angesichts von inzwischen mehr als 8100 Infizierten und 170 Todesopfern im Hauptverbreitungsland China groß.

Bei den ersten vier Infizierten aus Bayern handelt es sich um drei Männer im Alter von 27, 33 und 40 Jahren und eine 33-jährige Frau. Über den fünften Fall wurden zunächst keine Details bekannt. Bei dem 33 Jahre alten Mann, dessen Infektion als erste bekannt wurde, gehen die Behörden davon aus, dass er sich bei einer Kollegin aus China angesteckt hat, die vergangene Woche am Webasto-Firmensitz im Gautinger Stadtteil Stockdorf war.

„Die vier Patienten sind weiterhin symptomfrei und in klinisch gutem Zustand“, sagte der behandelnde Chefarzt Clemens Wendtner von der München Klinik Schwabing am Donnerstag. Sie seien weiterhin unter klinischer Beobachtung und würden fortlaufend getestet. Bei diesen Tests werden nach Mitteilung der Klinik noch immer die Erreger nachgewiesen.

Wer mit den Infizierten zu tun hatte, soll sich freiwillig in eine Art Quarantäne begeben. „Die bisher ermittelten Kontaktpersonen sollen sich häuslich isolieren und sich mit Angaben zu ihrem Gesundheitsstatus fortlaufend beim Gesundheitsamt melden“, erläuterte das Ministerium. Die Gesundheitsämter prüfen, wer neben den 110 Kollegen etwa im privaten Umfeld Kontakt zu den Patienten hatte.

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sagte, auch die niedergelassenen Ärzte im Freistaat seien über den Umgang mit Verdachtsfällen bei einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus informiert worden. In einem anderen Schreiben an die Bayerische Krankenhausgesellschaft, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, bei einem Verdachtsfall müssten Hygienemaßnahmen eingehalten werden, um eine Übertragung durch Tröpfchen zu verhindern. So sollten möglicherweise mit dem Virus infizierte Patienten einen mehrlagigen Mund-Nasen-Schutz tragen und in einem Isolierzimmer möglichst mit Vorraum oder Schleuse untergebracht werden.

Wenn das nicht möglich ist, sollte es zumindest ein Einzelzimmer mit eigener Nasszelle sein. Das Personal müsse Schutzkleidung, Schutzbrille, Handschuhe und spezielle Atemmasken tragen, heißt es in dem Schreiben weiter. Sobald ein Labor eine Infektion mit dem Virus 2019-nCoV bestätigt, soll der Patient in ein Isolierzimmer mit Vorraum/Schleusenfunktion gebracht werden. „Sofern in den Patientenräumen eine raumlufttechnische Anlage betrieben wird, über die eine Verbreitung von Luft auf andere Räume möglich ist, ist diese abzustellen.“ Für Hausärzte gelten ähnliche Vorgaben.

Derweil verzeichnet die vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit geschaltete Hotline rund 500 Anrufe am Tag. Sie wurde wegen der hohen Nachfrage personell aufgestockt.

Im Notfall könnte die München Klinik Schwabing die Kapazitäten aufstocken. „Dann hätten wir bis zu 30 Betten in Schwabing für die Versorgung von Coronavirus-Patienten zur Verfügung“, sagte Chefarzt Wendtner. Diese Betten sollten aber ausschließlich für bestätigte Coronavirus-Patienten vorgehalten werden, betonte er. „Deshalb gilt: Wer hohes Fieber hat, hat mit sehr großer Wahrscheinlichkeit eine normale Erkältung oder Grippe“, sagte Wendtner.

Verdachtsfälle sollten nicht automatisch nach Schwabing geschickt werden, sagte der Chefarzt. „Bevor diese Patienten in Schwabing in unserer Infektiologie aufgenommen werden, sollte der Coronavirus-Test erfolgt sein.“ Der Vorsitzende der Klinik-Geschäftsführung, Axel Fischer, sagte: „Klar ist: Die München Klinik wird ihrem Versorgungsauftrag jederzeit gerecht. Klar ist aber auch: Wir brauchen die Unterstützung der anderen Krankenhäuser in der Region und der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte.“ Dazu sei das Haus in enger Abstimmung mit dem bayerischen Gesundheitsministerium.

Außerhalb der Volksrepublik China sind in rund 20 Ländern mehr als 100 Infektionen gezählt worden. Die Bundesrepublik plant eine Rückholaktion für deutsche Staatsbürger. (dpa/lby)