Gesund dank Bier? „Stärk‘ antrinken“ in Oberfranken

Bierkonsum zum Jahresbeginn soll die Menschen in Oberfranken gesund durchs Jahr bringen – zumindest wenn man einem jahrhundertealten Brauch in der Region Glauben schenkt. „Stärk‘ antrinken“ nennt sich die Tradition, bei der am Dreikönigstag zwölf „Seidla“ Bier getrunken werden sollen. Das soll in allen zwölf Monaten gegen sämtliche Widrigkeiten schützen.

Zwölf „Seidla“ – also halbe Liter – und das meist vom besonders starken Bockbier, das viele Brauereien extra für den Anlass brauen? Schafft das überhaupt jemand? „Ich habe noch nicht erlebt, dass bei uns jemand zwölf Seidla getrunken hat“, sagt Thomas Zimmer, Meister in der ältesten Bäckerei Bayreuths, in der auch selbst gebrautes Bier ausgeschenkt wird und in den Jahren vor der Corona-Pandemie beim „Stärk‘ antrinken“ Hunderte Leute bewirtet wurden. „Das ist für mich ein Marketing-Gag von gewieften Brauern.“ Es gehe auch nicht darum, dass man möglichst viel trinke, sondern dass man sich treffe und mit Freunden aufs neue Jahr anstoße.

Der Brauch werde in Oberfranken und teils darüber hinaus zelebriert. Zum „Stärk‘ antrinken“ trifft man sich am Dreikönigstag am 6. Januar oder am Vorabend in Wirtshäusern oder auch daheim.

Der genaue Ursprung des Brauchs lässt sich laut dem Bayreuther Tourismusmarketing nicht mehr genau rekonstruieren. Vermutlich sei er vor rund 200 Jahren entstanden. Einer verbreiteten Theorie zufolge hänge er mit dem vorchristlichen Brauch der Rauhnächte zusammen, in denen Geister und Dämonen ihr Unwesen getrieben haben sollen. (dpa/lby)