Gläubigerversammlung: Wirecard-Insolvenzverwalter berichtet

Knapp fünf Monate nach dem Auffliegen des mutmaßlichen Milliardenbetrugs beim ehemaligen Dax-Konzern Wirecard steht heute die erste Gläubigerversammlung bei dem insolventen Unternehmen auf der Tagesordnung. Das Münchner Amtsgericht hat dafür eigens den Löwenbräukeller reserviert, eine der derzeit coronabedingt geschlossenen großen Gaststätten in der bayerischen Landeshauptstadt.

Insolvenzverwalter Michael Jaffé will den Gläubigern dabei sein weiteres Vorgehen erläutern. Wirecard hatte vor dem Insolvenzantrag im Juni Scheingeschäfte mit erfundenen Buchungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt. Der Schaden für Banken und Investoren ist nach Berechnungen der Münchner Staatsanwaltschaft jedoch noch weitaus höher: Mutmaßlich sind über drei Milliarden Euro verloren.

Der Insolvenzverwalter hat beim Verkauf einzelner Unternehmensteile und Tochtergesellschaften dem Vernehmen nach bisher etwa 500 Millionen Euro erlöst. Dass Jaffé die verlorenen Milliarden in Gänze wieder hereinholen kann, gilt als quasi ausgeschlossen. Eine Hauptfrage der Gläubiger wird sein, mit welcher Quote der Insolvenzverwalter rechnet – also wieviel Geld am Ende für die Gläubiger zurückgeholt werden könnte.

Forderungen anmelden können auch Aktionäre, die Verluste mit Wirecard-Aktien erlitten haben. Allerdings rangieren bei Pleiten von Aktiengesellschaften die Aktionäre mit ihren Ansprüchen weit hinten.

Da neben der Wirecard Muttergesellschaft auch sechs Tochtergesellschaften Insolvenz angemeldet haben, hat das Amtsgericht insgesamt sieben Gläubigerversammlungen angesetzt, die zwei Tage lang dauern sollen. Den Auftakt macht der Termin für die Muttergesellschaft Wirecard AG. (dpa/lby)