In Bayern große Lücke bei Ganztagsbetreuung für Grundschüler

Die westdeutschen Länder müssen ihre Ganztagsangebote für Grundschüler noch kräftig ausbauen, um den Rechtsanspruch auf einen Platz erfüllen zu können – vor allem Bayern. Der Blick nach Thüringen könnte bei der Personalsuche helfen.

In Bayern muss das Angebot für die Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern in den nächsten Jahren kräftig ausgebaut werden. 38 Prozent der Eltern im Freistaat haben nach einer Studie des Deutschen Jugendinstituts und der TU Dortmund bereits einen Platz für ihre Kinder im Grundschulalter – aber 54 Prozent hätten Bedarf. Um den von Bund und Ländern beschlossenen Rechtsanspruch auf einen Platz zu erfüllen, müssten in Bayern bis 2030 zwischen 108.000 und 136.000 Plätze zusätzlich geschaffen werden, heißt es in der am Dienstag in München veröffentlichten Studie.

Familienministerin Carolina Trautner (CSU) sagte, zum Betreuungsangebot gehöre auch die Betreuung über die Mittagszeit. „Deshalb liegt die tatsächliche Betreuungsquote in Bayern auch nicht bei 38 Prozent, sondern bei 57 Prozent.“ Der Freistaat habe ein Programm zur Schaffung von 10.000 zusätzlichen Hortplätzen aufgelegt. Doch bei seinen Investitionshilfen habe „der Bund ein kompliziertes Verfahren gewählt, das derzeit zu Verzögerungen führt und deswegen vereinfacht werden sollte“, sagte die Ministerin.

Bundesweit ist den Studienautoren zufolge „der zusätzliche Ausbaubedarf geringer als bislang angenommen“: Drei Viertel der bis dahin benötigten Plätze existierten bereits heute. Damit seien auch der Personalbedarf und die Ausbaukosten insgesamt geringer als bislang angenommen.

Ausbaubedarf bestehe in den westdeutschen Flächenländern, wo noch 30 bis 40 Prozent der Plätze geschaffen werden müssten. „Vor allem in Nordrhein-Westfalen und Bayern werden noch deutliche Anstrengungen notwendig sein, um ausreichend qualifiziertes Personal zu finden, damit der vollständige Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz im Grundschulalter ab dem Schuljahr 2029/30 erfüllt werden kann“, sagte Thomas Rauschenbach, wissenschaftlicher Leiter des Dortmunder Forschungsverbunds.

In Bayern hätten 2020 fast 176.000 der 461.000 Grundschüler ein Ganztagsangebot in Anspruch genommen. Bis 2030 dürfte die Zahl der Grundschüler um 65.000 wachsen, so die Forscher. Damit brauche es im Freistaat bis dahin zwischen 108.000 und 136.000 Plätze zusätzlich. Dafür seien dann 4100 bis 7800 Vollzeitstellen zusätzlich nötig. Die Investitionskosten für die zusätzlichen Plätze bezifferten die Forscher auf 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro, die zusätzlichen Personalkosten auf annähernd 300 bis 600 Millionen Euro im Jahr, je nach Personalschlüssel und Qualifikation.

In Thüringen dagegen werde bis 2030 überhaupt kein zusätzlicher Bedarf erwartet; in den anderen ostdeutschen Flächenländern bestehe nur noch geringer Personalbedarf. „Hier ist das Angebot bereits gut ausgebaut, und die Kinderzahlen gehen teilweise in wenigen Jahren zurück“, erklärten die Forscher.

Der Bund hat den Ländern zugesagt, den Ganztagsausbau mit bis zu 3,5 Milliarden Euro für die Infrastruktur zu unterstützen und sich an den laufenden Kosten dauerhaft zu beteiligen. Das Projekt Ganztag sei «eine bildungspolitische Herausforderung», erscheine aber machbar, sagte Rauschenbach. (dpa/lby)