Landschaftskrippen sind auch in Corona-Zeiten zu sehen

In Marktredwitz werden besondere Weihnachtskrippen gebaut. Eigentlich spielen in der Tradition offene Türen der „Kripperer“ eine zentrale Rolle – alles andere als ideal während einer Pandemie. Interessierte können die riesigen Bauten aber dennoch betrachten.

Im zweiten Corona-Winter können die berühmten Marktredwitzer Landschaftskrippen besichtigt werden – wenn auch nicht auf dem „Krippenweg“ in seiner traditionellen Form. Einige der Bauten sind im Egerland-Museum ausgestellt, außerdem öffnen einzelne „Kripperer“ in der oberfränkischen Stadt vom zweiten Weihnachtsfeiertag an wie üblich ihre Türen, um ihre Werke zu zeigen. Die Stadt bietet aber wegen der hohen Corona-Infektionszahlen im zweiten Jahr in Folge nicht die üblichen Stadt- und Krippenführungen sowie Busführungen in die Ortsteile an. „Das können wir nicht verantworten“, sagte eine Sprecherin der Stadt.

Die Marktredwitzer Krippenkultur steht seit diesem Jahr im bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes. Zwischen zweitem Weihnachtsfeiertag und Dreikönigstag kann man normalerweise einfach bei den Familien, die sich am „Krippenweg“ in dem 17 000 Einwohner-Ort beteiligen und ihre Bauten ausstellen, vorbeikommen und klingeln – so die Tradition.

In diesem Jahr sollte man sich aber am besten vorher telefonisch ankündigen, dann könne man das ein bisschen steuern, sagte Albin Artmann. Er ist seit 45 Jahren „Kripperer“ und stellt wie einige andere in Eigeninitiative eine Landschaftskrippe im eigenen Haus aus. Vier Krippenbauer haben ihre Landschaften außerdem im Egerland-Museum aufgebaut.

Er denke, dass nicht so viele Besucher zu ihm kommen werden wie sonst, sagte Artmann. Er erwarte aber doch einige Interessierte von auswärts, darunter andere „Kripperer“. „Mit denen tut man dann fachsimpeln.“ Bei der Krippenkultur in Marktredwitz geht es nicht nur um die Bauten, sondern eigentlich auch um sozialen Austausch in der Weihnachtszeit.

Marktredwitzer Krippen sind üblicherweise riesige Landschaften, die ganze Keller und Garagen füllen. Sie werden jedes Jahr neu und anders aufgebaut, wie Artmann erklärte. „Heuer habe ich nur das ländliche Leben aufgebaut: eine Schmiede, einen Biergarten, Musikanten, Kühe, Ziegen – und Prinzregent Luitpold – der muss immer mit drin sein.“ Die Figur findet sich wegen des Ursprungs des Brauchs im
19. Jahrhundert in vielen Marktredwitzer Krippen. Auch, weil es damals eine große Alpensehnsucht gab, ist die Szenerie der Krippen meist in den Alpenraum verlegt. Die Stallszene mit der Geburt Jesu kommt zwar immer vor, steht aber nicht im Mittelpunkt.

Wenige Kilometer weiter, im Wunsiedler Fichtelgebirgsmuseum, sind in einer Ausstellung 62 Krippen aus Bayern und Böhmen zu sehen. Konkret stammen die Leihgaben aus Oberfranken, der Oberpfalz, Niederbayern, Karlsbad, Pilsen und Südböhmen. Man erkenne an den Krippen, dass sie aus einem gemeinsamen Kulturraum kommen, erklärte Christina Heydenreich von dem Museum. Es verschwimme alles sehr, es gebe mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Die Herkunft merke man aber zum Beispiel an der Tracht, der Mimik und der Machart der Figuren. (dpa/lby)