S-Bahn-Stöße: Staatsanwaltschaft sieht keine Tötungsabsicht

Im Prozess um die tödlichen Stöße auf einem Nürnberger S-Bahn-Gleis sieht die Staatsanwaltschaft keinen Nachweis für eine Tötungsabsicht bei den beiden Angeklagten. Die Anklagebehörde forderte am Montag in ihrem Plädoyer, einen der beiden zur Tatzeit 17-Jährigen zu vier Jahren und fünf Monaten Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu verurteilen. Der zweite Angeklagte soll wegen des gleichen Straftatbestandes zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt werden.

Bei einer Rangelei zwischen zwei Gruppen von Jugendlichen auf dem Bahnsteig nach einem Discobesuch waren drei junge Männer ins Gleisbett gestoßen worden. Ein Zug überrollte zwei von ihnen, der dritte konnte sich mit einem Sprung retten.

Die Beweisaufnahme vor der Jugendkammer des Landgerichts Nürnberg-Fürth habe nicht ergeben, dass die Jugendlichen den herannahenden Zug auf dem mit Menschen gefüllten Bahnsteig zwingend wahrgenommen haben müssen, argumentierte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft. Deshalb liege kein Tötungsvorsatz vor. Den Angeklagten könne auch nicht vorgeworfen werden, den Tod ihrer beiden Kontrahenten billigend in Kauf genommen zu haben.

Die Nebenklage forderte dagegen im Auftrag der Hinterbliebenen eine Verurteilung wegen Totschlags von fünf Jahren und drei Monaten für einen der beiden Angeklagten und von vier Jahren und sechs Monaten für den anderen. Aus Sicht der Nebenklage habe die Beweisaufnahme ergeben, dass es einen Tötungsvorsatz gegeben habe.

Die beiden damals 17-Jährigen sollen Ende Januar nach einem abendlichen Discobesuch drei 16-Jährige bei einer körperlichen Auseinandersetzung am Bahnsteig der S-Bahnstation Frankenstadion ins Gleisbett gestoßen haben. Während sich ein Jugendlicher durch einen Sprung im letzten Moment retten konnte, wurden die zwei anderen jungen Männer von einem einfahrenden Zug – der vor der fahrplanmäßig verkehrenden S-Bahn kam – überrollt und getötet. (dpa/lby)