SPD verliert Nürnberg: CSU-Mann König beerbt Ulrich Maly

Bittere Pille für Bayerns Sozialdemokraten: Ausgerechnet ihre Hochburg Nürnberg geht verloren. In der Heimatstadt von Ministerpräsident Söder stellt seine CSU fortan den OB – erst zum zweiten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg.

Nürnberg wird erstmals nach 18 Jahren wieder von einem CSU-Politiker als Oberbürgermeister regiert. Bei der Stichwahl am Sonntag setzte sich der Christsoziale Marcus König überraschend gegen den SPD-Bewerber Thorsten Brehm durch. Er folgt damit auf Ulrich Maly (SPD), der nicht mehr angetreten war. Am Ende vereinte König 52,2 Prozent der Stimmen, auf Brehm entfielen 47,8 Prozent.

Damit wird Nürnberg – die Heimatstadt von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) – in den kommenden sechs Jahren zum zweiten Mal in der Nachkriegsgeschichte von einem CSU-Stadtoberhaupt regiert werden. Zwischen 1996 und 2002 hatte Ludwig Scholz die SPD-Phalanx durchbrochen.

In den vergangenen 18 Jahren hatte SPD-Mann Ulrich Maly die Geschicke der Dürer-Stadt geführt. Er hatte bei den Wahlen zum Teil Traumergebnisse weit jenseits der 60-Prozent-Marke erzielt.

SPD-Kandidat Thorsten Brehm räumte noch vor Ende der Auszählung seine Niederlage ein. Die SPD werde im Stadtrat konstruktiv mitarbeiten, kündigte er an. „Wir wollen weiterhin Verantwortung übernehmen“, sagte Brehm der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Bei der Bewältigung der Corona-Krise gehe es darum, das Beste für die Stadt zu erreichen. „Die sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise werden uns noch lange beschäftigen“, sagte er.

Der siegreiche CSU-Bewerber Marcus König holte mit mehr als 52 Prozent überraschend viele Stimmen. „Ich bin glücklich, dass es geklappt hat“, sagte er. Ziel sei es jetzt, eine gute Übergabe der Amtsgeschäfte hinzukriegen. „Wir wollen 1:1 weiter arbeiten“, kündigte er an. Im Stadtrat wolle er nun Gespräche führen vor allem mit SPD und Grünen, aber auch mit allen anderen demokratischen Kräften. Er strebe an, mit einer breiten Mehrheit zu regieren.

Bei der Stadtratswahl am Sonntag vor 14 Tagen hatte die CSU die Mehrheit errungen und damit der erfolgsverwöhnten SPD in Nürnberg bereits einen Dämpfer versetzt. Für die CSU würde es gemeinsam mit den Grünen zu einer hauchdünnen Mehrheit reichen. (dpa/lby)