Studie liefert Hinweise auf Rassismus bei der Polizei

Seit Monaten sperrt sich Seehofer gegen eine wissenschaftliche Studie zu Rassismus bei der Polizei. Bochumer Wissenschaftler stellen nun eine bundesweite Studie vor, die Hinweise auf Rassismus liefert. Vor allem verdachtsunabhängige Kontrollen spielen eine besonders Rolle.

Innerhalb der Polizei gibt es nach einer bundesweiten Studie von Bochumer Wissenschaftlern Hinweise auf Rassismus. Sowohl Betroffene als auch Polizisten hätten in Befragungen von bewusstem und unbewusstem rassistischem Handeln von Polizeibeamten berichtet.

Das sagte Prof. Tobias Singelnstein von der Ruhr-Universität Bochum am Mittwoch in Berlin. Mutmaßliche Opfer rechtswidriger Polizeigewalt erwähnten demnach eindeutig rassistische, antisemitische und islamfeindliche Beleidigungen von Polizisten. Polizisten hätten dies in Experteninterviews als Verhalten und Aussagen von Kollegen bestätigt.

Wie groß das Problem in der deutschen Polizei sei, könne anhand der vorliegenden Daten nicht beurteilt werden, weil es primär um rechtswidrige Polizeigewalt gegangen sei. „Wir haben in unserer Untersuchung aber auch Diskriminierungserfahrungen abgefragt“, sagte Singelnstein. Für die Studie „Körperverletzung im Amt durch Polizeibeamte“ waren in den vergangenen drei Jahren 3370 Menschen befragt und 63 Experteninterviews geführt worden.

Als „deutsch“ wahrgenommene Menschen ohne Migrationshintergrund hätten der Studie zufolge vor allem bei Großveranstaltungen Erfahrungen mit Polizeigewalt gesammelt. Bei Menschen, die als nicht-deutsch wahrgenommen werden – sogenannte People of Colour – seien es vor allem verdachtsunabhängige Personenkontrollen gewesen.

„Verdachtsunabhängige Kontrollen spielen eine besonders Rolle“, sagte Singelnstein. Wie groß der Anteil rassistischer Polizisten sei, könne anhand der Daten nicht gesagt werden. Die stark diskutierte geplante Studie des Bundes über Rassismus bei der Polizei sei dringend geboten. (dpa)