Trotz Corona: Vorbereitungen auf die Weihnachtsmarktsaison

„Das Christkind lädt zu seinem Markte ein, und wer da kommt, der soll willkommen sein.“ Mehr als zwei Millionen Menschen folgen dem Aufruf des Nürnberger Christkinds Jahr für Jahr. Auch Weihnachtsmärkte in anderen Städten sind Publikumsmagnete. Wie ist das in Corona-Zeiten?

Trotz großer Unsicherheiten wegen der Corona-Pandemie bereiten sich Städte in Bayern auf die Weihnachtsmarktsaison vor. In Nürnberg soll der weltberühmte Christkindlesmarkt nach aktuellem Stand auch in diesem Jahr stattfinden, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. „Aber natürlich wissen wir noch nicht, wie er am Ende aussehen wird“, sagte Michael Fraas, Wirtschaftsreferent der Stadt Nürnberg.

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) versprach den Veranstaltern und Händlern Unterstützung. „Weihnachts- und Christkindlmärkte gehören in Bayern traditionell zur Vorweihnachtszeit. Sie sind ein beliebtes Ziel für Einheimische und Touristen“, sagte Aiwanger der Deutschen Presse-Agentur. „Gerade für den innerstädtischen Handel und die Gastronomie haben die Märkte aber auch eine wichtige Magnetwirkung und bringen Laufkundschaft.“

Kleinere Märkte dürfen in Bayern seit dem 15. Juli wieder stattfinden. Das gilt laut Aiwanger auch für Christkindlmärkte. Was als kleiner Markt gilt, ist laut einem Ministeriumssprecher nicht genau definiert.

In der aktuellen Infektionsschutz-Verordnung seien Wochenmärkte und traditionelle Kunst- und Handwerkermärkte genannt. „Daraus ergibt sich, dass solche „kleineren“ Märkte wohl im Regelfall jedenfalls nicht mehr als 20 bis 30 Marktstände umfassen werden“, erläuterte der Sprecher. Wichtig sei, wie viel Fläche im Einzelfall zur Verfügung steht. Und wie viele Stände dort so aufgebaut werden können, dass Besuchern de Abstand von 1,5 Metern möglich ist.

„Unsere bisherigen guten Erfahrungen in Gastronomie, Einzelhandel und bei kleinen Märkten haben gezeigt, dass mit Einhaltung der passenden Hygienekonzepte das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben stattfinden kann“, sagte Aiwanger. „Händler, Gastronomen und Schausteller haben betriebswirtschaftlich verheerende Monate hinter sich.“ Weihnachts- und Christkindlmärkte seien heuer für diese Branchen deshalb ein existenzieller Lichtblick, sagte der Minister. „Ich werde mich daher dafür einsetzen, dass solche Märkte stattfinden können, sofern es das Infektionsgeschehen zulässt.“

Der Nürnberger Wirtschaftsreferent Fraas sagte, die größte Herausforderung werde sein, die Besucherströme zu lenken. Dafür soll in Nürnberg eine Art Einbahnstraßensystem eingeführt werden, bei dem eine einheitliche Laufrichtung mit Hilfe von Pfeilen vorgegeben wird. Außerdem soll es Essen und Trinken nur zum Mitnehmen geben.

Die Maßnahmen sollen zunächst beim diesjährigen Herbstmarkt getestet werden. „Wir fahren auf Sicht. Alles, was wir gerade planen, ist unter Vorbehalt“, betonte Fraas. Ob der Christkindlesmarkt letztlich wie geplant stattfinden kann, hängt vor allem davon ab, wie sich die Infektionszahlen in den kommenden Monaten entwickeln.

Auch in München laufen die Planungen für den Christkindlmarkt auf dem Marienplatz. Ob und wie der Markt heuer stattfinden kann, sei aber noch unklar, sagte eine Sprecherin aus dem Wirtschaftsreferat.

Die Stadt Augsburg entwickelt nach eigenen Angaben verschiedene Szenarien, um den Christkindlesmarkt sicher zu gestalten. Alle Ideen würden demnach darauf hinauslaufen, „dass die Stände auf möglichst viele Plätze in der Innenstadt verteilt werden“, teilte ein Sprecher der Stadt mit.

Da bei den Glühweinständen auf dem Augsburger Rathausplatz die größten Menschenansammlungen erwartet werden, sei noch unklar, ob und wie viele Glühweinstände dort aufgebaut werden können. „Gegebenenfalls muss kurzfristig reagiert werden“, so der Sprecher. (dpa/lby)