Ukraine und Russland beginnen Friedensverhandlungen

Die ukrainische Seite macht vorab ihre Forderungen deutlich: „unverzügliche Feuereinstellung und der Abzug der Truppen“. Und hat offenbar den russischen Oligarchen Abramowitsch als Vermittler angefragt.

Zwei Delegationen aus Russland und der Ukraine haben an der ukrainisch-belarussischen Grenze Friedensverhandlungen aufgenommen.

Der belarussische Außenminister Wladimir Makej habe die Gespräche eröffnet, meldeten belarussische Staatsmedien und veröffentlichten Videos. Die Kampfhandlungen gingen unvermindert weiter.

Kurz zuvor war die ukrainische Delegation am Verhandlungsort eingetroffen – der genaue Ort ist nicht bekannt. Die Gruppe werde angeführt vom Fraktionsvorsitzenden der Präsidentenpartei Sluha Narodu (Diener des Volkes), David Arachamija, teilte das Präsidialamt in Kiew mit. Zur Delegation gehören zudem Verteidigungsminister Olexij Resnikow, Präsidentenberater Mychajlo Podoljak und der stellvertretende Außenminister Mykola Totschyzkyj.

Kiew machte vorab seine Forderungen klar: „Die Schlüsselfrage der Verhandlungen ist die unverzügliche Feuereinstellung und der Abzug der Truppen vom Territorium der Ukraine.“ Der russische Delegationsleiter Wladimir Medinski versicherte, Moskau sei an einer Einigung interessiert.

Die Bundesregierung begrüßte die Gespräche grundsätzlich. Diplomatische Lösungen seien immer die einzig sinnvollen, sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit in Berlin. Gleichzeitig wisse man natürlich auch, dass es sehr schwierige Gespräche sein würden, die sich hinziehen könnten.

Greift Belarus für Russland in den Krieg ein?

Die heiklen Verhandlungen wurden überschattet von Gerüchten, Belarus könnte sich schon am Montagmorgen offiziell mit Soldaten in den Krieg gegen die Ukraine einschalten. Belarussische Fallschirmjäger sollen den Befehl bekommen haben, am frühen Morgen in die Ukraine zu fliegen, schrieb die ukrainische Agentur Unian. Sie beruft sich dabei auf Informationen von Andrej Strischak von der Nichtregierungsorganisation Bysol.

Diese Informationen ließen sich nicht unabhängig prüfen.

Oligarch Abramowitsch soll vermitteln

Überraschend ist offenbar der russische Oligarch Roman Abramowitsch – ihm gehört unter anderem der englische Fußball-Club FC Chelsea – als Vermittler zwischen den Konfliktparteien im Einsatz. Abramowitsch sei von der ukrainischen Seite kontaktiert und bei den Bemühungen um eine friedliche Lösung um Hilfe gebeten worden, sagte ein Sprecher des 55-jährigen Russen der britischen Nachrichtenagentur PA. Abramowitsch versuche seitdem zu helfen – man könne aber mit Blick darauf, was auf dem Spiel stehe, keine weiteren Details nennen, hieß es.

Abramowitsch hatte am Samstag angekündigt, die Verwaltung des englischen Champions-League-Siegers FC Chelsea an die Verwalter der wohltätigen Stiftung des Fußball-Clubs abgeben zu wollen. Der Oligarch war zuvor zunehmend wegen seiner Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin in die Kritik geraten. Forderungen nach Sanktionen gegen den Chelsea-Eigentümer wurden immer lauter. (dpa)